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Truppenverbände stürmten Residenz

Der bisher amtierende Präsident der Elfenbeinküste, Laurent Gbagbo, ist nach einem monatelangen Machtkampf am Montag in seiner Residenz festgenommen worden. Panzer stürmten das Gebäude und zwangen Gbagbo zur Aufgabe. Angaben, wonach französische Truppen bei der Verhaftung federführend waren, wurden wenige später zurückgewiesen.

„Ja, ich bestätige Ihnen die Festnahme Gbagbos“, sagte Mamadou Toure, Sprecher des rechtmäßig gewählten Präsidenten Alassane Ouattara, im französischen TV-Sender BFM. Gbagbo sei aus Sicherheitsgründen in ein Hotel gebracht worden, wo sich neben Ouattaras Regierung auch die UNO-Blauhelme befinden. Auch der französische Botschafter in der Elfenbeinküste, Jean-Marc Simon, bestätigte die Festnahme.

In Abidjan habe es einen Freudentaumel nach Bekanntwerden der Nachricht gegeben. Viele Menschen, die sich aus Angst vor den Kämpfen seit Tagen in ihren Wohnungen verbarrikadiert hatten, eilten jubelnd auf die Straße.

„Er lebt und ist wohlauf“

Laut UNO-Botschafter Youssoufou Bamba sei Gbagbo „wohlauf“ in Haft. „Ich habe das Vergnügen, Ihnen die Festnahme von Monsieur Gbagbo bekanntzugeben. Er lebt und ist wohlauf“, sagte Bamba am Rande der Sicherheitsratssitzung bei den Vereinten Nationen in New York. Derzeit sei er an einem „sicheren Platz“. Wo genau er sich aufhalte, könne aus Sicherheitsgründen nicht gesagt werden. Bamba erklärte weiter, Gbagbo werde der Justiz überstellt.

UNO-Sicherheitsrat einberufen

Der UNO-Sicherheitsrat trat noch am Montag zu einer sofortigen Sondersitzung zusammen. Die Botschafter der 15 Mitgliedsländer ließen sich von Untergeneralsekretär Alain Le Roy informieren. Die fast 10.000 UN-Soldaten in Elfenbeinküste hatten in den vergangenen Wochen eine immer aktivere Rolle übernommen.

Ex-Präsident der Elfenbeinküste Laurent Gbagbo

APA/EPA/Nic Bothma

Trotz seiner Abwahl im November 2010 klammerte sich Gbagbo an sein Präsidentenamt.

Der britische Außenminister William Hague ließ unmittelbar nach Bekanntwerden der Festnahme mittels Aussendung wissen, man werde Gbagbo im Falle einer Anklage respektvoll behandeln.

Unklarheit über Vorgange bei Verhaftung

Unklar blieb, wer Gbagbo festgenommen hatte. In der Nacht auf Montag waren französische Soldaten zusammen mit UNO-Soldaten mit Unterstützung gepanzerter Fahrzeuge gegen die Residenz Gbagbos vorgestoßen. Dort hatte sich Gbagbo mit schwer bewaffneten Milizen verschanzt. Zunächst berichteten Medien, französische Spezialeinheiten hätten Gbagbo festgenommen.

Das französische Oberkommando in Paris betonte jedoch, dass „zu keinem Augenblick die französischen Soldaten in den Park oder die Residenz des Präsidenten eingedrungen“ seien. Vielmehr sei Gbagbo von Truppen Ouattaras festgenommen worden, mit Unterstützung von Frankreich und der UNO. Auch Bamba betonte nachdrücklich, dass Soldaten aus dem Land selbst Gbagbo festgenommen hätten.

„Widerstandslos ergeben“

Nach den wochenlangen erbitterten Kämpfen dürfte sich Gbagbo schließlich kampflos ergeben haben, wie sein Vertrauter Toussaint Alain sagte: „Präsident Laurent Gbagbo ist aus seinem Bunker gekommen und hat sich ohne Widerstand den Franzosen ergeben.“ Wohin er genau gebracht wurde, darüber gehen die Meldungen auseinander. Laut Opposition wurde Gbagbo in das Golf-Hotel von Abidjan gebracht und Ouattara übergeben.

Ouattara war im November vergangenen Jahres als Sieger aus der Stichwahl um die Präsidentschaft des westafrikanischen Landes hervorgegangen. Gbagbo weigerte sich seitdem, seinen Platz zu räumen. Bei den Gefechten in dem größten Kakaoexportland sind mindestens 1.500 Menschen ums Leben gekommen.

Waffenlager zerstört

Der Sturm auf die Präsidentenresistenz begann bereits in der Nacht auf Montag. Hubschrauber der UNO und Frankreichs griffen immer wieder die Truppen Gbagbos an. Dabei seien „alle Orte, von denen wir wissen, dass dort schwere Waffen gelagert werden“, getroffen worden, berichtete der Sprecher des UNO-Einsatzes im Land. In der Früh stießen zusätzlich französische Soldaten in 30 gepanzerten Fahrzeugen ins Stadtzentrum von Abidjan vor.

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