Mysteriöser Tod eines Ex-Ministers von Gbagbo

Einen Tag nach der Festnahme des langjährigen ivorischen Staatschefs Laurent Gbagbo ist dessen ehemaliger Innenminister Desire Tagro unter ungeklärten Umständen ums Leben gekommen.

Tagro sei unter den Anhängern Gbagbos gewesen, die mit dem Ex-Präsidenten festgenommen worden seien, hieß es gestern aus Kreisen des international anerkannten Staatschefs der Elfenbeinküste, Alassane Ouattara, sowie von einem Diplomaten in Abidjan. Tagro sei gesehen worden, wie er verletzt in das Hotel gebracht wurde, in dem auch Gbagbo untergebracht wurde. Anschließend sei er in eine Klinik eingeliefert worden, wo er gestern gestorben sei.

Der Chef von Gbagbos Partei Front Populaire Ivoirien (FPI), Pascal Affi N’Guessan, sagte der Nachrichtenagentur AFP, Tagro sei „mit einer Kugel im Golf-Hotel ermordet“ worden. Das Lager Ouattaras wies das vehement zurück. Tagro galt als zentrale Figur der nach monatelangem Machtkampf besiegten Regierung.

Militärchef wechselt Seite

Ouattara hat indes offenbar die Rückendeckung der Militärchefs seines Vorgängers. Ouattaras TV-Sender berichtete, Gbagbos Armeeführer Philippe Mangou sowie alle Generäle der Boden-, Luft- und Seestreitkräfte hätten dem neuen Präsidenten ihre Treue geschworen. Ein Berater Ouattaras sagte der Nachrichtenagentur Reuters, Mangou habe zudem die Polizei- und Sicherheitskräfte aufgerufen, sich hinter den Präsidenten zu stellen.

US-Präsident Barack Obama gratulierte Ouattara zur Amtsübernahme. In einem Telefonat mit dem anerkannten Präsidenten verständigten sich beide auf die Notwendigkeit, Ermittlungen zu den „Grausamkeiten“ während des viermonatigen Machtkampfs einzuleiten. UNO-Generalsekretär Ban Ki Moon warnte Ouattara vor einer Verfolgung seiner politischen Gegner. Er müsse dafür sorgen, dass Gbagbo nichts passiere.

Aussöhnung versprochen

Ouattara selbst versprach seinen Landsleuten Versöhnung und Sicherheit. Der Staatschef kündigte die Einsetzung einer Wahrheits- und Versöhnungskommission an, die mutmaßliche Massaker durch Truppen beider Seiten aufklären soll. Trotzdem wurde in der Hauptstadt Abidjan erneut geschossen.

Ouattara rief seine Anhänger auf, sich jeder Art von Racheakten und Gewalttaten zu enthalten. „Ich rufe euch zu Ruhe und Zurückhaltung auf“, sagte Ouattara in seiner ersten Fernsehansprache nach der Festnahme Gbagbos. Es werde ein „Gerichtsverfahren gegen Laurent Gbagbo, seine Frau und ihre Anhänger“ eingeleitet werden. Diese würden bis dahin „mit allen Mitteln“ geschützt. Gbagbo steht derzeit unter Hausarrest.

180 Mio. Euro von EU

Die Europäische Union unterstützt den Wiederaufbau in der Elfenbeinküste mit 180 Millionen Euro. Mit dem Geld sollen vor allem Medikamente, Wasser und Sanitäreinrichtungen bereitgestellt und die Landwirtschaft unterstützt werden. Zudem würden damit Schulden der Elfenbeinküste bei der Europäischen Investitionsbank beglichen. Die französische Regierung kündigte eine Sonderhilfe in Höhe von 400 Millionen Euro an.