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Historische Siege und Negativrekorde

Um die ÖVP steht es derzeit nicht zum Besten, das diagnostizieren Beobachter ebenso wie führende Parteimitglieder. Nicht nur kurzfristig kam die Partei ins Strudeln (Stichwort: Causa Strasser), auch die langfristige Wahlbilanz fällt durchwachsen aus.

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Bei der Nationalratswahl 2008 hatte die ÖVP mit 26 Prozent immerhin noch den zweiten Platz erzielt, aktuelle Umfragen hingegen sehen sie auf Rang drei hinter FPÖ und SPÖ. Während die FPÖ in der Sonntagsfrage auf 29 Prozent und die SPÖ 28 Prozent kämen, würde die ÖVP 23 Prozent erreichen, zitierte der „Kurier“ eine aktuelle OGM-Umfrage. Immerhin lässt ÖVP-Vizekanzler und Außenminister Michael Spindelegger Bundeskanzler Werner Faymann (SPÖ) im APA/OGM-Vertrauensindex mit einem Wert von plus 14 um fünf Punkte hinter sich.

Von Platz drei in die Regierung

Dritter war die Volkspartei schon einmal: 1999, als Wolfgang Schüssel von Platz drei aus die schwarz-blaue Koalition bildete. Dazwischen gab es fast schon ungeahnte Höhenflüge, seit Josef Prölls Antritt im Herbst 2008 gab es aber fast nur Verluste für die Schwarzen.

26,9 Prozent und damit minus 1,4 Prozentpunkte fuhr Schüssels ÖVP 1999 ein. Bei der vorgezogenen Neuwahl im Jahr 2002 konnte er dann einen wahren Triumph feiern und mit 42,3 Prozent (plus 15,4 Punkte) die SPÖ deutlich überholen. Weitere Gewinne verbuchte die Volkspartei bei mehreren Landtagswahlen - so holte sie in Niederösterreich und Tirol (2003) sowie Vorarlberg (2004) die absolute Mehrheit zurück.

Leichtes Plus bei EU-Wahl 2004

Die EU-Wahl 2004 brachte ein leichtes Plus von zwei Prozentpunkten. Bei der Bundespräsidentenwahl, ebenfalls im Jahr 2004, unterlag dagegen die ÖVP-Kandidatin Benita Ferrero-Waldner dem SPÖ-Kandidaten Heinz Fischer. Und auch auch sonst war bei weitem nicht alles eitel Wonne für die Kanzlerpartei ÖVP. 2004 verlor man rund neun Prozentpunkte in Kärnten, 2005 8,6 Punkte und den Landeshauptmann-Sessel in der Steiermark.

Schüssel übergab Parteivorsitz an Molterer

Mit der Nationalratswahl 2006 war auf Bundesebene mehr als die Hälfte des Zugewinns von 2002 wieder dahin: Die ÖVP fiel mit 34,33 Prozent (minus acht Punkte) hinter die SPÖ zurück, Schüssel übergab den Parteivorsitz an Wilhelm Molterer, und dieser übernahm die Juniorrolle in einer Koalition mit der SPÖ. Deren Streitlust und Blockadestil wurden bald fast schon sprichwörtlich, was im Endeffekt die Wähler beider Regierungsparteien abstraften.

In Niederösterreich brachte es die ÖVP 2008 noch zu einem bescheidenen Plus (1,1 Prozentpunkte), in Tirol dagegen war mit minus 9,5 Punkten die absolute Mehrheit wieder weg. Dann reichte es Molterer, er zog in eine verfrühte Nationalratswahl, die die ÖVP weitere 8,4 Prozentpunkte kostete - womit sie bei 26 Prozent landete und damit unter Schüssels Ergebnis von 1999. Molterer ging, Pröll kam, die folgende Große Koalition war angesichts starker Verluste allerorten auch für die SPÖ kaum noch groß zu nennen.

Positive Überraschung bei Kärnten-Wahl 2009

Eine Art positive Überraschung erlebte die ÖVP 2009 bei der Kärnten-Wahl, wo Landesobmann Josef Martinz 16,8 Prozent (plus 5,2 Punkte) erreichte. Dann allerdings verlor man in Salzburg 1,4 Prozentpunkte, die EU-Wahl brachte ein minus von 2,7 Punkten, und auch in Vorarlberg verlor Herbert Sausgruber (minus 4,1 Prozentpunkte), konnte aber die absolute Mehrheit verteidigen.

In die Bundespräsidentschaftswahl 2010 schickte die ÖVP erst gar keinen eigenen Kandidaten, was ebenso zu Murren aus den eigenen Reihen führte wie schon zuvor der EU-Spitzenkandidat Ernst Strasser, der sich im Nachhinein tatsächlich als schlechter Griff entpuppte. Eine Atempause brachte die Oberösterreich-Wahl 2009, wo der dortige Landeschef Josef Pühringer die Vormachtstellung seiner Partei ausbauen konnte (plus 3,3 Punkte).

Negativrekord in Wien

2010 brachte gleich mehrere Dämpfer: im Burgenland minus 1,8 Prozentpunkte; in der Steiermark konnte man den Landeshauptmann nicht zurückerobern (minus 1,5 Punkte). Bei der Wien-Wahl im Oktober des Vorjahres schließlich schickte Pröll die vormalige Staatssekretärin Christine Marek in die Wahlschlacht. Der Wahlabend endete mit einem historischen Negativrekord, die ÖVP steht in Wien seit dem 10. Oktober bei 14 Prozent.

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