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„Liese Prokop wäre jetzt stolz auf mich“

Der neue Generalsekretär der ÖVP, Hannes Rauch, will die Organisationskraft der Volkspartei stärken und selbst kantig und pointiert auftreten. Das erwartet auch der designierte Parteichef Michael Spindelegger von ihm.

Rauch solle die ÖVP im politischen Alltag „kantig positionieren, die Organisationskraft entfalten“ und bevorstehende Aktivitäten - von der geplanten Bundesländertour bis zum Parteitag - vorbereiten, sagte Spindelegger bei der offiziellen Präsentation des neuen Generals in der Parteizentrale Mittwochvormittag. Der lautstarke Tiroler folgt auf den eher zurückhaltenden Kärntner Fritz Kaltenegger: Rauch gilt als einer, der durchaus scharfe Töne anschlagen kann - mehr dazu in oe1.ORF.at.

„Bin sehr sehr nett und sehr umgänglich“

Ein allzu strenges Image will sich der 39-jährige Tiroler selbst aber nicht umhängen lassen. Er wolle keine Konflikte nur des Streitens wegen und habe nicht vor, täglich mit Aussendungen Zwist zu säen. Außerdem findet er sich selbst offenbar recht gemütlich: „Ich bin sehr sehr nett und sehr umgänglich.“

Wie die von Spindelegger angekündigte Neupositionierung der ÖVP genau aussehen wird, wollte der Parteichef noch nicht verraten. Das soll erst am Parteitag am 20. Mai offenbart werden. Davor will der neue Parteichef eine Bundesländertour machen und sich bei den Funktionären umhören. Ansagen kündigte Spindelegger auch für den 1. Mai an, an dem die ÖVP ihr traditionelles Ministertreffen abhalten wird, und für den Europatag am 9. Mai.

„Heimkommen“

Rauch übernimmt ab sofort von seinem Vorgänger das Tagesgeschäft. Der bisherige Hauptgeschäftsführer der Tiroler Volkspartei und frühere Sprecher im Innenministerium (2002 - 2006) bezeichnete seinen Umzug nach Wien als eine Art „Heimkommen“. Er will aber auch in Tirol und „an der Basis verankert“ bleiben und behält daher den Job des Stadtparteiobmanns von Kufstein. Nach dem Unterschied zu Kaltenegger gefragt, sagte Rauch: „Fritz Kaltenegger ist ein Kärntner, ich bin ein Tiroler.“

Entsprechend seinem Image sieht er sich selbst als Macher und nicht als Ankündigungspolitiker. Seine Aufgabe sei es, für die Partei „pointiert zu formulieren“ und die „Unterschiede zu den Mitbewerbern“ zu zeichnen. Wie das geht, zeigte Rauch am Mittwoch gleich vor. Er sei schon aus Tirol mit der Konkurrenz vertraut, es gebe nur eine Partei, die er nicht kenne - ein gewisses BZÖ. „Auf die muss ich mich noch einstellen“, spottete Rauch.

„Von Strasser enttäuscht“

Auf sein direktes Gegenüber von der SPÖ muss sich der Vater zweier Töchter auch noch einrichten. Er werde demnächst das Gespräch mit SPÖ-Bundesgeschäftsführerin Laura Rudas suchen, kündigte Rauch an. Die Korruptionsaffäre um den zurückgetreten EU-Abgeordneten und Ex-Innenminister Ernst Strasser, unter dem Rauch lange gedient hatte, bezeichnete der ÖVP-General als enttäuschend.

Er sei „von Ernst Strasser enttäuscht“, dieser sei aber sein Chef gewesen, und dazu stehe er. „Das steht in meiner Biografie“, so Rauch. Die politische Person, die ihn am meisten geprägt habe, sei jedoch die zu Silvester 2006 verstorbene Innenministerin Liese Prokop gewesen. „Sie wäre jetzt stolz auf mich“, so Rauch.

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