US-Botschafter: Bis zu 30.000 Tote in Libyen

Die Zahl der Todesopfer beim andauernden Libyen-Konflikt könnte nach Angaben des US-Botschafters in dem Land bei bis zu 30.000 liegen. Die Schätzungen reichten von 10.000 bis 30.000 Toten, sagte der Diplomat Gene Cretz in Washington. Es werde schwierig sein, vor Ende der Kämpfe einen konkreteren Überblick zu bekommen.

„Wir erhalten - sogar von Kontaktleuten in Tripolis und im Westen - Berichte über Leichen an Stränden“, sagte Cretz. „Wir haben einfach keinen Eindruck vom Ausmaß, bis die Sache vorbei ist.“

Nach Angaben des Botschafters gibt es keine Anzeichen dafür, dass sich die Truppen des libyschen Machthabers Muammar al-Gaddafi an einen selbst erklärten Waffenstillstand hielten. „Gaddafi und seine Henker haben keine Absicht, die Gewalt und das Blutvergießen einzustellen.“

Libysche Stammesvertreter wenden sich von Al-Gaddafi ab

Die libyschen Stammesvertreter haben sich von Machthaber Muammar al-Gaddafi abgewandt. Anführer oder Repräsentanten von 61 Stämmen sprachen sich in einer gestern in Paris veröffentlichten Erklärung für ein geeintes, freies und demokratisches Libyen ohne Al-Gaddafi aus. „Das Libyen von morgen wird, wenn der Diktator weg ist, ein geeintes Libyen sein“, heißt es in dem Text, den der französische Schriftsteller Bernard-Henri Levy veröffentlichte.Levy versicherte, dass auch der mächtige Warfalla-Stamm und ein Vertreter des Al-Gaddafi-Stammes die Erklärung unterzeichnet hätten. Im Prinzip stünden alle Stämme hinter dem Text. Da es aber innerhalb einiger Clans Streitigkeiten gebe, sei die Unterstützung nicht immer hundertprozentig.

Levy unterstützt die Aufständischen in Libyen. Er organisierte vor sechs Wochen das Treffen zwischen dem französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy und Vertretern des oppositionellen Nationalrates, bei dem Frankreich den Rat als rechtmäßige Vertretung Libyens anerkannte.

AU fordert Ende der Angriffe auf Führung

Die Afrikanische Union (AU) forderte ein Ende der Angriffe auf libysche Regierungsvertreter und die zivile Infrastruktur des Landes. Alle Beteiligten sollten weitere Militäreinsätze gegen Mitglieder der libyschen Führung und die „sozio-ökonomische Infrastruktur“ Libyens unterlassen, forderte der AU-Friedens- und -Sicherheitsrat in einer Erklärung.

Diese würden die Lage verschlechtern und einen internationalen Konsens über das weitere Vorgehen in Libyen gefährden. Tags davor hatten sich Minister der Mitgliedsstaaten am Sitz der Organisation in der äthiopischen Hauptstadt Addis Abeba getroffen, um über Libyen und andere Konflikte in Afrika zu beraten.

NATO schickt Verbindungsmann nach Bengasi

Die NATO einigte sich unterdessen darauf, einen zivilen Verbindungsmann in die Rebellenhochburg Bengasi zu schicken. Demnach soll der Vertreter in Bengasi als „Kontaktmann“ der NATO zur libyschen Opposition dienen. Der Verbindungsposten werde wahrscheinlich mit einem Diplomaten aus einem der NATO-Mitgliedsländer besetzt. Die genaue Funktion des Verbindungsmannes muss den Angaben zufolge aber noch ausgearbeitet werden.