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Wenn Frauen wie 36 aussehen wollen

Ob es sich um einen bewusst gewählten Weg handelt, möglichst „zeitlos schön“ zu erscheinen, oder ob der Gang zum Schönheitschirurgen viel zu früh erfolgte, bleibt dahingestellt: Neuer Trend scheint zu sein, dass immer mehr junge Frauen durch schönheitschirurgische Eingriffe aussehen wie Mitte 30.

Ein Cocktail von Faltenunterspritzungen (Fillern), Botox und chemischen Peelings kann vieles bewirken: Frauen können im Idealfall ihr Aussehen bei etwa Mitte 30 einfrieren, und das - regelmäßige Anwendung vorausgesetzt - für eine hübsche Weile. Wenn Frauen wie die sich zu Botox bekennende Demi Moore das tun, verwundert das niemanden mehr. Aber warum tauchen verstärkt blutjunge Frauen mit dem Gesicht einer schönheitsmanipulierten 40-Jährigen auf, fragte sich Eva Wiseman in der britischen Sonntagszeitung „The Observer“ unlängst.

Botoxauffrischung mit 18

Als prominentes Beispiel führt die Autorin US-Schauspielerinnen und -Starletts wie Lindsay Lohan, Heidi Montag und die philippinische Sängerin Charice Pempengco an. Lohan präsentierte vor gut einem Jahr ihr neues Gesicht und glich plötzlich nicht mehr einer 23-Jährigen, die sie war, sondern einer aufwendig auf 36 verjüngten Frau. Sie schien ihr Alter transzendiert und einen Sprung um ein Jahrzehnt nach vorne gemacht zu haben.

US-Schaupsilerin Lindsay Lohan

AP/Evan Agostini; APA/EPA/Claudio Onorati

Lindsay Lohan mit neuem und altem Look

Der gleichaltrige US-Reality-Star Montag wurde auch damit berühmt, zehn Behandlungen in zehn Stunden absolviert zu haben. Und die erst 18-jährige Pempengco aus der US-Serie „Glee“ bekannte ebenfalls, für ihre Rolle in „Glee“ Botox „zur Auffrischung“ verwendet zu haben.

Die genannten Promis sind laut der Autorin kein Einzelfall. In den USA werden chemische Behandlungen und Botox demnach zu immerhin 20 Prozent von Patientinnen unter 34 Jahre in Anspruch genommen. Es sei ein Trend unter ganz jungen Frauen bemerkbar, „zeitlos“ auszusehen, statt einfach - noch - jünger: Das Präventiv-Botox lässt sie dann in der Tat wie gut erhaltene Frauen in ihren 30ern erscheinen.

US-Schauspielerin Heidi Montag

AP/Dan Steinberg

Heidi Montag nach ihrer Rundumerneuerung mit 23

„Eine neue Mentalität“

„Das ist eine neue Mentalität: Wenn du nicht ein bisschen ‚fake‘ aussiehst, hat der Schönheitschirurg keine gute Arbeit geleistet“, wird der New Yorker Schönheitschirurg Douglas Steinbrech zitiert. Dieser Trend sei von der Westküste übergeschwappt und nun in der Madison Avenue, also mitten in Manhattan, angekommen: Als junge Frau trägt das New Yorker It-Girl offenbar am besten ein geklontes, komplett gestrafftes Gesicht, das wie eine Eisfläche glänzt. Warum das so ist, kann sich Steinbrech aus seiner Praxis nicht erklären: „Entweder wissen sie nicht, wie sie aussehen, oder sie wollen aussehen wie jemand, der etwas gemacht hat.“

Sein britischer Kollege Norman Waterhouse geht davon aus, dass dieser Look von zu vielen Faltenunterspritzungen herrührt: „Filler“ dehnen die Haut aus. Ein Teufelskreis entsteht, es wird immer mehr eingespritzt. Die richtige Balance ist schwer. Folgt man Paparrazi-Fotos, erreichen jene das beste Ergebnis, die das „goldene, zeitlose Alter“ simulieren, glaubt Wiseman - nämlich 36. Sie beruft sich auch auf die Celebrity-Dermatologin Gervaise Gerstner, die davon spricht, dass sich viele Patientinnen gar nicht verjüngen lassen wollen, sondern ihr Aussehen bei einem bestimmten Alter einfrieren wollen; eben bei 36.

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