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Botox wirkt doppelt

Es scheint eine Ironie des Schicksals zu sein: Mit Botox will man sich verschönern und sozial erfolgreich sein. Behalten zwei US-Wissenschaftler recht, kann das Gegenteil eintreten und man landet - zwar verschönt - früher oder später im sozialen Out.

Dass Botox die Ausdrucksfähigkeit des Gesichts beeinträchtigt, ist bekannt. Doch die Implikationen eines mimikarmen Gesichts wurden bisher kaum gestreift. Sie sind offenbar noch viel größer als bisher vermutet. Die Psychologen David Neal von der Southern California University in Los Angeles und Tanya Chartrand von der Duke University in North Carolina veröffentlichten unlängst eine für die Lifestyle-Gesellschaft interessante Versuchsreihe im Journal „Social Pychological and Personality Science“ („SPPS“).

Sie testeten 31 Frauen, die in zwei Gruppen unterteilt wurden: die eine war mit Botox behandelt, die andere mit Faltenunterspritzungen. In einer Versuchsanordnung wurde den zwei Testgruppen eine Bilderserie vorgelegt. Die Aufgabe bestand darin, möglichst rasch Emotionen aus den zu betrachtenden Gesichtern zu lesen. Dabei schnitt die Botox-Gruppe signifikant schlechter ab.

Feedback an Gehirn bleibt aus

Erklärt wird dieses frappierende Ergebnis damit, dass ein entscheidender Weg, die Gefühle eines Gegenübers zu lesen, über Spiegelung läuft - also über Nachahmung der Mimik. Wenn wir mittels Mimik die Gefühle eines anderen spiegeln, erhält das Gehirn entsprechende Signale, die helfen, diese Gefühle zu deuten. Spiegelneuronen ermöglichen in der Folge etwa Empathie.

Ist die Mimik durch das lähmende Nervengift Botox in Mitleidenschaft gezogen, können unsere Gesichtsmuskeln das notwendige Signal nicht an das Gehirn weiterleiten, das die Gefühle des anderen interpretieren sollte. Das Verständnis bleibt demnach aus. Auch ältere Studien belegen bereits, dass das Gehirn ein Feedback der Gesichtsmuskeln benötigt, um Emotionen steuern zu können - mehr dazu in science.ORF.at.

Emotionale Intelligenz verarmt

Die Folgen dieses möglichen Defizits sind weittragend. Wer den anderen nicht mehr richtig liest, dessen emotionale Intelligenz verarmt. Die Fähigkeit, den Gesichtsausdruck anderer nachzuahmen, ist ein „Fenster in die innere Welt des anderen“, wird Neals in der Fachzeitschrift „Medical News“ zitiert. „Mit Botox wird dieses Fenster etwas dunkler.“ Zwar sehe man mit Botox - in der Regel - besser aus, dafür könnte man darunter leiden, die Gefühle anderer nicht mehr lesen zu können.

Neal zieht einen Vergleich zu modernen Kommunikationsformen wie E-Mail und Twitter: Wenn man nur einen kleinen Teil einer Information weglässt, kann das den Unterschied zwischen einer erfolgreichen und einer verfehlten Kommunikation ausmachen. Der eigene Körper gebe eben wichtige Zusatzinformationen, um in der sozialen Welt erfolgreich zu sein. Werde er manipuliert, könnten die Folgen weitreichender sein, als man man zuerst denke.

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