NL: Polizei nutzt TomTom-Userdaten für Radarfallen

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Der niederländische Navigationsgerätehersteller TomTom sorgt mit einem Datenskandal für Aufsehen. Der Konzern räumte ein, die Navigationsdaten seiner Kunden an die niederländische Regierung verkauft zu haben. Diese gab sie dann an die Polizei weiter, um die Standplätze von Radarfallen zu optimieren, wie aus einem Bericht der niederländischen Zeitung „Algemeen Dagblad“ hervorgeht.

Schwache Verkaufszahlen bei mobilen Navis

Hintergrund des Datenverkaufs sind schwache Verkaufszahlen. Der Absatz der mobilen Navigationsgeräte brach im ersten Quartal um 16 Prozent ein. Mit dem Verkauf der GPS-Navigationsdaten seiner Kunden habe man versucht, neue Einkommenquellen zu erschließen, begründete der europäische Marktführer den Schritt.

TomTom-Chef: „Haben das nicht verausgesehen“

In einer E-Mail entschuldigte sich TomTom-Geschäftsführer Harold Goddijn unterdessen für den sorglosen Umgang mit den Kundendaten. „Wir haben diese Art der Nutzung nicht vorausgesehen, und viele unserer Kunden sind nicht glücklich darüber,“ so Goddijn.

Man habe die Aufzeichnungen über das Fahrverhalten der Kunden in dem Glauben verkauft, sie würden zur Verbesserung der Verkehrssicherheit und Infrastruktur verwendet. Genaue Lizenzbeschränkungen sollen künftig eine derartige Nutzung verhindern.

Auch Daten österreichischer Nutzer im Angebot

Personenbezogene Daten von Autofahrern seien aber in keinem Fall übermittelt worden, da die Erfassung stets anonym erfolge, versicherte TomTom. Das Unternehmen benötigt die Daten, um den Nutzern der Navigeräte die Umgehung von Staus sowie die jeweils schnellsten Straßenverbindungen vorschlagen zu können. Zudem werde jeder Kunde bei der Konfiguration seines TomTom-Gerätes gefragt, ob er der Datenerfassung zustimme oder nicht.

Auch in Österreich bietet der Navihersteller den Gemeinden Daten seiner Nutzer an, jedoch hat laut TomTom keine Behörde oder Kommune diese Daten bisher in Lizenz erworben.

Konkurrenz durch Smartphones

TomTom und andere Navigationshersteller sehen sich zunehmend dem Wettbewerb durch Navigationsangebote auf Smartphones ausgesetzt. Auch Garmin, der direkte Rivale von TomTom, kämpft mit kostenlosen Navigationsangeboten etwa von Google und Nokia.