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„Ich habe viel gegeben“

Der scheidende ÖVP-Parteichef Josef Pröll hat sich beim Parteitag in Innsbruck mit einem emotionalen Rückblick verabschiedet. „Ich habe viel gegeben“, so Pröll. Der Job als Parteiobmann habe ihm die „größte Freude gemacht“. Den Abgang habe er sich nicht ausgesucht, verwies Pröll auf die gesundheitlichen Gründe für seinen Rücktritt im April.

Es sei „sehr schön, euch alle heute hier wiederzusehen“, sagte Pröll. Er sei „etwas bewegt“, Innsbruck habe für ihn eine besondere Bedeutung. Seine Frau komme von hier, er habe „schlimme Stunden“ in der Klinik hier erlebt, heute sei er da, um den Parteivorsitz zu übergeben. Pröll war zuletzt Vizekanzler, Finanzminister und Parteichef. Letzterer Job habe ihm die „größte Freude gemacht“.

Dank an Schüssel

Pröll bedankte sich bei jenen, die ihn in die Politik geholt hätten, es sei etwa keine Selbstverständlichkeit des früheren Kanzlers Wolfgang Schüssel gewesen, ihn 2003 als 33-Jährigen in die Regierung zu holen. Er habe „extrem bewegte Jahre“ als Landwirtschafts- und Umweltminister, aber auch als Finanzminister und Vizekanzler erlebt, resümierte Pröll.

Die Bedingungen dabei seien „nicht einfach“ gewesen, so Pröll - nicht in der Partei, nicht in der wirtschaftlichen Situation und nicht in einer Koalition, bei der er heute „feststellen muss, dass einer auf der Bremse stand“, während einer versuche, „Gas zu geben“. Als „anspruchsvolle“ Aufgabe bezeichnete Pröll neben der Bewältigung der Wirtschaftskrise auch, Teile in der ÖVP zu integrieren, „das, was uns ausmacht“, nämlich Bünde, Länder, Bürgermeister.

Am eigenen „Persönlichkeitsprofil“ gescheitert

„Ich habe viel gegeben, ich habe mich jeden Tag eingesetzt“, bilanzierte der scheidende ÖVP-Chef über die eigene Karriere. Vielleicht hätte er manchmal zurückstellen sollen, doch das könne er mit seinem Persönlichkeitsprofil nicht vereinbaren. Pröll verwies auch auf die von ihm geleiteten Perspektivengruppen - und plädierte dafür, die Idee eines Familiensplittings im Steuerbereich weiterzuführen.

Aufruf zu Unterstützung für Spindelegger

Der scheidende Parteiobmann bedankte sich bei seinem Regierungsteam und betonte, dass er sich freue, dass Michael Spindelegger sein Nachfolger als Parteichef ist. „Ich habe mir diesen Abgang nicht ausgesucht“, verwies Pröll auf seine gesundheitlichen Probleme. Er habe im Rettungshubschrauber „gespürt, dass es knapp ist“. Er habe seine Entscheidung auch in dem Wissen getroffen, dass mit Spindelegger und seinem Team die Möglichkeiten da seien, wieder Nummer eins zu werden.

Im Zusammenhang mit den Funktionen als Parteichef und Vizekanzler sagte Pröll, nicht die Diskussion um Entlastung dürfe die Diskussion beherrschen, „es geht um Unterstützung“. Er wünsche sich „nichts mehr als ein absolut geschlossenes Signal am heutigen Tag“ für Spindelegger, „damit wir ab 2013 wieder den Ton in Österreich angeben“. Zum Abschied bekam Pröll einen Hochstand geschenkt, der ein Signal für Muße und Zeit sein soll.

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