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Kultusgemeinde verklagt Israel-Archiv

Die Wiener Israelitische Kultusgemeinde (IKG) hat laut einem Bericht der Zeitung „Jüdische Allgemeine“ (Onlineausgabe) das Zentralarchiv für die Geschichte des jüdischen Volkes in Jerusalem geklagt, um die Herausgabe von Dokumenten zu erwirken, die nach Ende des Zweiten Weltkriegs von Wien nach Israel ausgelagert wurden.

Dabei habe es sich um Leihgaben gehandelt, wurde IKG-Präsident Ariel Muzicant zitiert. Doch das israelische Archiv beharre darauf, die Dokumente seien ihm „für immer“ anvertraut worden. Die Archivalien - drei bis 3,5 Millionen Seiten unterschiedlicher Formate - seien in Israel über Jahrzehnte in Kisten in einer Garage gelagert worden und verstaubt, bedauert Muzicant. Das Archiv der IKG wurde 1816 gegründet. Die Bestände dokumentieren die Geschichte der Juden in Wien seit dem 17. Jahrhundert.

Einiges davon wurde nach Kriegsende nach Moskau gebracht, doch viele Archivalien lagern heute in Polen, Tschechien, verschiedenen Teilen Österreichs und eben in Israel. Muzicant ist laut dem Bericht mit allen betroffenen ausländischen Archiven im Gespräch, um die Wiener Dokumente wieder an ihrem Ursprungsort zusammenzuführen. Russland und Tschechien hätten bereits zugesagt, die Bestände zu überstellen.

Dokumente sollen gebündelt werden

Der IKG-Präsident plant, alle in Wien auf verschiedene Standorte verstreute Bestände gemeinsam mit jenen, die sich noch im Ausland befinden, an einem Ort zu bündeln. „Ich will, dass all das geordnet, aufgearbeitet, inventarisiert und digitalisiert wird. Und dann kann man es für die Forschung freigeben“, erklärte Muzicant.

Er tritt für eine Kooperation mit allen Einrichtungen sein, die ebenfalls über Archivalien verfügen, die die NS-Zeit beziehungsweise jüdisches Leben dokumentieren, und nennt dabei das Staatsarchiv, das Dokumentationsarchiv des Österreichischen Widerstandes und das Wiener Wiesenthal Institut für Holocaust-Studien.

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