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Taliban bekennen sich zu Anschlag

Bei dem schweren Anschlag am Sitz des Gouverneurs der nordafghanischen Provinz Tahar sind Ende Mai nach offiziellen afghanischen Angaben auch Soldaten der deutschen Bundeswehr getötet und verletzt worden.

Deutschlands Verteidigungsminister Thomas de Maiziere bestätigte, dass zwei deutsche ISAF-Soldaten getötet wurden. Fünf weitere deutsche Soldaten wurden bei dem Anschlag verletzt. Ein Sprecher der Provinzregierung von Tachar hatte zuvor von drei getöteten deutschen Soldaten gesprochen.

General verwundet

Der Kommandant der Internationalen Schutztruppe (ISAF) in Nordafghanistan, General Markus Kneip, sei verletzt worden. „Ich bitte die deutsche Öffentlichkeit, gerade jetzt unseren Einsatz in Afghanistan zu unterstützen“, sagte De Maiziere. „Unsere Soldaten sind ein Teil von uns allen.“ Vier Soldaten wurden laut Bundeswehr leicht und ein weiterer schwer verletzt. Leicht verletzt wurde neben General Kneip auch der Kommandant des Bundeswehrlagers am Anschlagsort Talokan.

Unter den Toten sind laut einem afghanischen Behördensprecher auch der Polizeichef für Nordafghanistan, General Mohammed Daud Daud, und der Provinzpolizeichef. Insgesamt wurden sieben Menschen getötet und neun weitere verletzt. Ein Taliban-Sprecher bekannte sich gegenüber der Nachrichtenagentur AFP zu dem Anschlag.

Afghanisthan-Karte

Graphi-Ogre

Merkel „schockiert und traurig“

Weder von der Bundeswehr noch von der NATO wurde bisher offiziell bestätigt, dass Deutsche unter den Opfern sind. Ein ISAF-Sprecher in Kabul sagte jedoch, erste Berichte deuteten darauf hin, dass Mitglieder der ISAF-Truppe Ziel des Angriffes gewesen seien.

Die deutsche Kanzlerin Angela Merkel (CDU) nahm die Todesnachricht „schockiert und traurig“ auf. Auch mit Blick auf die afghanischen Opfer sprach sie den Angehörigen ihr Mitgefühl aus und wünschte den Verletzten baldige Genesung. „Dieser terroristische Anschlag zeigt eine mörderische Menschenverachtung“, sagte sie.

Sitz des Gouverneurs von Tachar nach Anschlag

Reuters/Wahdat Afghan

Suche nach Spuren in den Trümmern

„Attentäter wartete auf dem Gang“

Ein afghanischer Behördenvertreter betonte, zu dem Zeitpunkt der Explosion habe ein Treffen zu Sicherheitsfragen auf dem Gelände des Gouverneursbüros in Tachar stattgefunden. „Am Ende des Treffens, als wir gehen wollten, wartete ein Selbstmordattentäter auf dem Gang und sprengte sich in die Luft.“ Offenbar war es dem Attentäter gelungen, mit einer Uniform verkleidet in das Gebäude zu gelangen. Möglicherweise gehörte er auch zu den Sicherheitskräften, die das hochrangige Treffen am Sitz des Gouverneurs der nordafghanischen Provinz Tachar schützen sollten.

Zweiter Einsatz in Afghanistan

Der deutsche Brigadegeneral Markus Kneip kommandiert seit Februar 2011 alle ISAF-Soldaten in Nordafghanistan. Zugleich führt er das deutsche Einsatzkontingent der ISAF. Bereits im Jahr 2006 war Kneip für das Regionalkommando Nord zuständig. Erst vor wenigen Tagen feierte Kneip seinen 55. Geburtstag.

Deutscher Kommandeur verletzt

Der Anschlag dürfte General Kneip gegolten haben. Kneip sei am Sitz des Gouverneurs der Provinz Tachar gewesen, als eine Bombe detonierte, sagte der Kommandeur der afghanischen Armee für Nordafghanistan, General Zelmai Wesa, der Nachrichtenagentur dpa.

Der Gouverneurssitz befindet sich in Talokan. Die Provinzhauptstadt war kürzlich Schauplatz heftiger Proteste gegen die ausländischen Truppen, in deren Verlauf mehrere Demonstranten getötet wurden und auch ein Bundeswehrlager angegriffen wurde. Im Norden Afghanistans sind vor allem Bundeswehrsoldaten als ISAF-Kräfte im Einsatz.

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