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Zu lebenslanger Haft verurteilt

Anlässlich des 50. Jahrestages der als „Feuernacht“ bekannten Anschlagsserie vom 11. auf den 12. Juni 1961 hat sich die Tiroler Landesregierung für die Begnadigung der als „Pusterer Buam“ bekannten, ehemaligen Südtirol-Aktivisten ausgesprochen.

„Die Erinnerung an die damaligen Ereignisse - im Lichte der heutigen Entwicklung - wäre ein guter Anlass, einen Schlussstrich unter dieses Kapitel der Geschichte zu ziehen“, betonte Ende Mai nach einer Regierungssitzung Tirols Landeshauptmann Günther Platter (ÖVP).

Für ihre Beteiligung an diversen Anschlägen in den 60er Jahren seien die „Pusterer Buam“ - Siegfried Steger, Heinrich Oberleitner und Sepp Forer - im Rahmen der Mailänder Prozesse in Abwesenheit zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Unter anderem seien sie wegen eines Mordes an einem Carabinieri verurteilt worden.

Heute wisse man jedoch, dass sie mit dem Mord nichts zu tun hatten, sagte Platter. Trotz jahrzehntelanger intensiver Bemühungen der Republik Österreich und zahlreicher bilateraler Treffen lehnte Italien bisher eine Begnadigung ab.

„Zeichen später Versöhnung“

Diese Begnadigung sei kein Akt der Gnade, sondern vielmehr ein Zeichen der späten Gerechtigkeit und Versöhnung. Platter forderte Italien auf, die bisherige Haltung zu überdenken. Der Ball liege nun beim italienischen Staatspräsidenten. Auch Tirols Landeshauptmann-Stellvertreter Hannes Gschwentner (SPÖ) wäre „froh, wenn wir die dunklen Seiten der Geschichte hinter uns lassen könnten“.

Kritik zu den Bestrebungen der Landesregierung kam vonseiten der Tiroler Grünen. „Eine Begnadigung nach einer Straftat hat eine wichtige Voraussetzung: die Reue der Täter. Ohne Reue kann es keine Begnadigung geben“, betonte die Landtagsabgeordnete Gebi Mair. Die Verurteilten zeigten laut der Grünen-Politikerin allerdings „bis heute keine Reue“.

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