Sanader will „dringend“ nach Kroatien ausgeliefert werden

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Der kroatische Ex-Premier Ivo Sanader will „dringend“ nach Kroatien ausgeliefert werden, haben gestern mehrere kroatische Medien berichtet. Den Auslieferungsantrag will Sanader laut seinem kroatischen Anwalt Goran Suic bei der Verhandlung am 21. Juni beim Oberlandesgericht in Linz stellen.

Der Grund sei, dass „in den vergangenen Tagen sein Name in negativem Kontext mit dem EU-Beitritt Kroatiens in Verbindung gebracht wurde“, so Suic. Sanader wolle vor einem kroatischen Gericht seine Unschuld beweisen. Kroatien habe den schnellstmöglichen Beitritt verdient und sei reif für die EU, so Suic weiter.

Ging gegen Auslieferungsentscheid in Berufung

Das Landesgericht Salzburg hatte am 9. Mai entschieden, dass Sanader ausgeliefert werden könne. Sanaders Anwalt Werner Suppan berief gegen diese Entscheidung. Die kroatische Justiz wirft dem Ex-Premier laut Haftbefehl Amtsmissbrauch und Bildung einer kriminellen Vereinigung vor. Er war am 10. Dezember 2010 auf der Tauernautobahn in Salzburg festgenommen und anschließend in der Salzburger Justizanstalt in Auslieferungshaft genommen worden.

Die Korruptionsstaatsanwaltschaft in Wien schloss das Ermittlungsverfahren gegen Sanader wegen Geldwäscheverdachtes in Österreich noch nicht ab. „Wir warten noch auf die Ergebnisse einer weiteren Kontoöffnung, die wir angeordnet haben“, erläuterte Mediensprecher Martin Ulrich.

Der Ex-Premier bestreitet alle ihm zur Last gelegten Vorwürfe. Bis zuletzt wollte er sich vor einem österreichischen Gericht verantworten. Laut seinem Anwalt sind in Kroatien die Voraussetzungen für ein faires Gerichtsverfahren im Sinne der Menschenrechtskonvention nicht gegeben.