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Vorreiter Papua-Neuguinea

Das Rennen um verborgene Metalle am Meeresboden ist groß: Mehr und mehr Unternehmen bewerben sich um Lizenzen für den Rohstoffabbau auf dem Meeresboden. Bisher seien die Kosten dafür zu hoch gewesen, wie die „BBC“ berichtete. Fortgeschrittene Technologien machen den Bergbau nun aber auch in den Ozeanen attraktiv. Laut Umweltschützern geht dieser Hype jedoch auf Kosten der marinen Ökosysteme.

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Als erste Regierung weltweit vergab Papua-Neuguinea im Jänner eine Lizenz für Meeresbergbau an den kanadischen Mineralölkonzern Nautilus. Das Unternehmen will Gold und Kupfer aus dem Meeresgrund in 50 Kilometer Entfernung zur Nordküste des Landes gewinnen.

Acht Pazifikstaaten folgten dem Beispiel Papua-Neuguineas bis jetzt, und das obwohl es für diese Art der Mineraliengewinnung noch kaum Gesetze und Regelungen gibt. Auf einer zweitägigen Konferenz auf den Fidschi-Inseln loteten kürzlich Repräsentanten von 15 Pazifikstaaten die Zukunft des Tiefseebergbaus aus. Vor allem kleinere Staaten sehen darin großes wirtschaftliches Potenzial, wie der „Sydney Morning Herald“ berichtete.

Gold- statt Kaffeeexport?

Der Regierungsvertreter von Osttimor, Vincent da Costa Pinto, setzt große Hoffnungen in den neuen Wirtschaftszweig, der seiner Ansicht nach die Exportquote ankurbeln könnte. Man exportiere nur Kaffeebohnen und Kokosöl, „von dem riesigen, unerschlossenen Potenzial von Gold, Kupfer und Mangan zu hören, das in unseren Meeren liegt,“ sei „spannend“. „Wir sind ein Entwicklungsland ohne viel Industrie - Projekte dieser Größe können enorme Vorteile bringen, Geld und Wirtschaftsleistung hereinzubringen.“

Lameko Talia, Repräsentant des kleinen Inselstaats Samoa, zeigt sich vom Potenzial des marinen Bergbaus ähnlich beeindruckt: „Gutachten in unseren Gewässern haben gezeigt, dass wir sowohl Kupfer als auch Mangan in unseren Gewässern haben.“ Sowohl da Costa Pinto, als auch Talia mussten jedoch einräumen, dass die Umweltauswirkungen noch geprüft werden müssten und man auch noch nicht wisse, wie groß die wirtschaftlichen Erträge sein könnten. „Da gibt es gewiss noch viele Unbekannte“, so Talia.

Papua-Neuguinea hofft auf 142 Mio.

Die Länder blicken gespannt auf Papua-Neuguinea, wo die Arbeiten bereits 2013 beginnen sollen. Lyndah Brown-Kola, eine der Mitverantwortlichen in dem Bergbauprojekt prognostiziert, dass damit Erträge in der Höhe von 142 Mio. Dollar (133,46 Mio. Euro) erzielt werden können.

Umweltschützer stehen dem Projekt jedoch sehr kritisch gegenüber: Im Fall des marinen Bergbauprojekts Nautilus in Papua-Neuguinea kritisiert die Organisation Act Now etwa, dass es kaum Rücksprache mit Umweltorganisationen gegeben habe. „Wir sind für die restliche Welt ein Meerschweinchen unter Beobachtung.“ Sowohl Greenpeace als auch der WWF warnten vor den potenziellen Auswirkungen des Durchforstens des Meeresbodens auf das sensible marine Ökosystem.

„Sehen nur schnelles Geld“

„Unsere Befürchtung ist, dass diese Länder nur das Geld sehen und dem schnellen Profit hinterherspringen, ohne es jemals durchzudenken“, so Duncan Silliams von Greenpeace Australia Pacific. „Der Meeresbergbau ist eine sich abzeichnende Bedrohung für die Ozeane“, sagte Steve Smith von Greenpeace International gegenüber „BBC“.

Maureen Penjueli vom Pacific Network on Globalisation in Fiji sagte gegenüber dem „Sydney Morning Herald“, sie sei „tief besorgt“ darüber, wie ökonomische Modelle verwendet würden, um diese Industrie zu bewerben. „Wenn man für einen Moment die beachtlichen ökologischen Bedenken beiseite lässt: ökonomisch ist das vermutlich auch nicht so schlau“, gibt Penjueli zu Bedenken. „Zum Beispiel könnte der Bergbau in unseren Ozeanen unsere Fischereiindustrie schwer beeinträchtigen, wir müssen also sehr, sehr sorgfältig überlegen, was wirklich gut ist für unsere Nationen.“

„Wahnsinniger Impact auf marine Umwelt“

Auch Peter Herzig, Professor für Geologie und Direktor des Leibniz-Institut für Meereswissenschaften IFM-Geomar in Kiel, äußerte in einem Interview mit dem „Technology Review“ im vergangenen Jahr massive Umweltbedenken: „Ein Manganknollenbergbau hätte einen wahnsinnigen Impact auf die marine Umwelt im Pazifischen Ozean zur Folge.“

Er wette, dass „das nicht stattfinden wird, jedenfalls nicht zu meinen Lebzeiten“. Auch bei sulfidischen Erzen, die an den „schwarzen Rauchern“ auf dem Meeresgrund aus der Erdkruste ausgestoßen werden, könne ein Abbau an Ort und Stelle einen „Totalverlust“ bedeuten, vorhandene Lebensgemeinschaften würden „komplett zerstört werden“.

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