Verhinderte russischer Botschafter Golowatow-Auslieferung?

Die Causa um den von Litauen als Kriegsverbrecher gesuchten russischen Ex-KGB-Offiziers Michail Golowatow ist nun wieder um einen Puzzlestein reicher: Der russische Botschafter Sergei Netschajew soll verhindert haben, dass Golowatow nach seiner Verhaftung in Wien-Schwechat vergangene Woche in die Justizanstalt Korneuburg gebracht wurde, berichtet die Tageszeitung „Kurier“ (Dienstag-Ausgabe).

Demnach soll der zuständige Journalstaatsanwalt in Korneuburg die Einlieferung Golowatows am 15. Juli um drei Uhr früh, fast zehn Stunden nach dessen Festnahme, angeordnet haben. Die Einlieferung ist laut dem Blatt nur möglich, wenn die Bestimmungen des Europäischen Haftbefehls angewendet werden, mit dem Golowatow gesucht wird.

Netschajew soll daraufhin „um 3.20 Uhr Oberstaatsanwalt Werner Pleischl aus dem Schlaf“ gerissen haben. Dieser soll „wenige Minuten später in Absprache mit Sektionschef Christian Pilnacek“ abgeordnet haben, dass der Europäische Haftbefehl nicht anzuwenden sei, daher könne man von keiner Festnahme Golowatows sprechen, sondern nur von einer „Anhaltung“, und daher dürfe der Russe auch nicht nach Korneuburg gebracht werden.

Bereits am Freitag hatte die Tageszeitung „Salzburger Nachrichten“ aus einem der Zeitung zugespielten polizeilichen Aktenvermerk zum zeitlichen Ablauf der Amtshandlung zitiert.