Kosovo: KFOR übernimmt verwüsteten Grenzposten

Soldaten der NATO-Schutztruppe KFOR haben heute den verwüsteten Grenzübergang Jarinje im Norden des Kosovo übernommen. Der Grenzposten ist laut einem Sprecher derzeit nur mit KFOR-Soldaten besetzt. Die kosovarische Regierung bestätigte die Angaben.

Die KFOR-Truppe habe nach den Ausschreitungen die „vollständige“ Kontrolle über den Norden des Landes übernommen, einschließlich der umstrittenen Grenzübergänge Jarinje und Brnjak. Die Nacht verlief bis auf „vereinzelte Spannungen“ weitgehend ruhig, wie die Regierung weiter mitteilte.

Gestern Abend hatten rund hundert offenbar serbische Jugendliche den Grenzposten Jarinje mit Molotowcocktails in Brand gesetzt. Nach Angaben der KFOR sei auch auf NATO-Soldaten geschossen worden. Hintergrund der seit Tagen andauernden Auseinandersetzungen an der Grenze ist ein vor knapp einer Woche vom Kosovo verhängtes Importverbot für serbische Waren. An den Grenzposten setzte bis vor Kurzem eine Spezialeinheit der kosovarischen Polizei die neuen Regelungen durch.

Video dazu in iptv.ORF.at

Appell von Tadic

Der serbische Staatspräsident Boris Tadic appellierte an seine Landsleute im Kosovo, ihre Angriffe einzustellen. Diese Gewalt schade den Interessen Serbiens. Serbien hofft, bis zum Jahresende den Status eines EU-Beitrittskandidaten zu erhalten. Voraussetzung ist ein entspanntes Verhältnis zu der vor drei Jahren abgefallenen und heute selbstständigen früheren serbischen Provinz Kosovo.

Kosovo-Regierungschef Hashim Thaci beschuldigt die serbische Regierung in Belgrad, hinter den gewaltsamen Ausschreitungen zu stehen. „Die Gewalttaten sind bestellt, geplant und geleitet von den höchsten Ebenen der serbischen Regierung“, sagte Thaci vor Journalisten in Pristina. Trotzdem werde es „keine Kompromisse geben“.

Jarinje war bereits vor drei Jahren von aufgebrachten Serben niedergebrannt worden. Im Kern der Auseinandersetzung geht es um die Kontrolle Nordkosovos mit seiner kompakten serbischen Minderheit. Die Kosovo-Regierung hatte am Montag die beiden bisher serbisch kontrollierten Grenzübergänge mit Polizeisondereinheiten besetzt, um dort „Recht und Ordnung“ durchzusetzen. Darauf hatten die Serben mit Straßenblockaden geantwortet.