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„Vor einer Woche vom Teufel getroffen“

Nach dem Massaker auf der norwegischen Insel Utöya wird niemand mehr vermisst. Das teilte die Polizei in Oslo mit. Die Zahl der Todesopfer wurde am Freitag auf 77 nach oben korrigiert. Zuletzt war noch von etlichen Vermissten die Rede gewesen.

Nach Angaben der Polizei wurden mittlerweile 69 Opfer des Massakers auf der Ferieninsel Utöya sowie die acht durch eine Autobombe in Oslo Getöteten identifiziert. Die Namen wurden von der Polizei auf ihrer Website veröffentlicht, wie der Chef des Polizeistabes, Johan Fredriksen, bei einer Pressekonferenz am Freitagnachmittag mitteilte. Bereits am Vortag hatte die Polizei gesagt, dass die Suche nach weiteren Opfern zwar auf Utöya, nicht aber im Tyrifjord eingestellt sei.

Erste Begräbnisse

Mit der 18 Jahre alten Norwegerin Bano Rashid wurde am Freitag eines der ersten Opfer von Utöya beerdigt. Die Traueransprache in Nesodden südlich von Oslo wurde von Außenminister Jonas Gahr Störe gehalten. „Bano ist nicht mehr da, und es ist einfach nicht zu fassen“, sagte der Sozialdemokrat über seine ermordete junge Parteikollegin.

Die junge Frau, die mit ihren kurdischen Eltern als Vierjährige aus dem Irak nach Norwegen kam, stand als Kandidatin der Arbeiterpartei auf der Liste für die Kommunalwahl Mitte September und war ebenso wie der Außenminister aktiv in der sozialdemokratischen Jugendorganisation tätig.

In Hamar wurde ebenfalls am Freitag Ismail Haji Ahmed beerdigt. Ahmed war in Norwegen als Teilnehmer des TV-Wettbewerbes „Norske Talenter“ bekanntgeworden. Beide Opfer nahmen mit Geschwistern an dem von insgesamt von 600 Jugendlichen besuchten Sommerlager der sozialistischen Jugendbewegung AUF teil, das der Attentäter Anders Behring Breivik am 22. Juli mit einem Schnellfeuergewehr und einer Pistole stürmte.

Messe für die Opfer des Oslo-Massakers

APA/EPA/Thomas Winje Oeijord

Pastorin Anne Marit Tronvik: „Bano Rashid stand für das Beste in einem multikulturellen Norwegen“

Gedenkveranstaltung in Osloer Moschee

Von großer Anteilnahme gekennzeichnet war am Freitag auch eine Gedenkveranstaltung in der Jamaat-Ahle-Sunnat-Moschee in Oslo. Unter den Rednern war neben AUF-Vize Asmund Aukrust auch Premier Jens Stoltenberg. Unter den großteils jugendlichen Opfern von Utöya sind auch etliche mit muslimischem Hintergrund. Vor einer Woche sei Norwegen vom Teufel getroffen worden, so Stoltenberg in einer ebenfalls am Freitag im gewerkschaftsnahen Folkets Hus (Volkshaus) in Oslo gehaltenen Rede. Das Land müsse nun mit dem 22. Juli leben, aber zusammen werde man das schaffen, so Stoltenberg weiter.

Trauerfeier der norwegischen Arbeiterpartei

APA/EPA/Berit Roald

Premier Stoltenberg bei der Gedenkveranstaltung im Folkets Hus

Der Attentäter begründet das Massaker und die Bombe im Osloer Regierungsbezirk, durch die acht weitere Menschen starben, mit seinem Hass auf die regierenden Sozialdemokraten, die er für die Zuwanderung aus islamischen Ländern verantwortlich macht.

Staatsanwalt fordert Respekt vor Toten

Bereits am Vortag hatte Generalstaatsanwalt Tor-Aksel Busch betont, dass sich der geständige Attentäter Breivik beim wohl erst 2012 stattfindenden Prozess für jeden Mord einzeln erklären müsse. Busch sagte dem Rundfunksender NRK: „Aus Respekt vor den Toten und Angehörigen muss der Täter für jede einzelne Tötung Rechenschaft ablegen.“

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