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Zeitplan des Attentäters hielt nicht

Ein kleines Detail in der Planung der Anschläge von Norwegen hat vermutlich Dutzende Menschenleben gerettet: Attentäter Anders Behring Breivik hat in seiner jahrelangen Vorbereitung der Bluttaten an so ziemlich alles gedacht, aber offenbar nicht daran, dass er Freitagmittag auf dem Weg nach Oslo in einen Stau geraten könnte.

Wie die Zeitung „Aftenposten“ (Sonntag-Ausgabe) unter Berufung auf Ermittlerkreise berichtete, sorgten der dichte Verkehr in der norwegischen Stadt und ein Unfall auf der Ausfallstraße E18 dafür, dass sich Breiviks Zeitplan um etwa zwei Stunden nach hinten verschob. Die Bombe im Osloer Regierungsviertel wurde daher erst kurz nach Büroschluss für Tausende Beamte gezündet. Bei der Explosion starben acht Menschen.

Strecken nie zur Hauptverkehrszeit abgefahren

Auf der Fahrt von Oslo auf die Ferieninsel Utöya geriet Breivik demnach noch einmal in einen Stau auf der E16, wo ebenfalls ein verunfalltes Fahrzeug den Verkehr blockiert habe und Arbeiten an einem Tunnel zusätzliche Verzögerung gebracht hätten. Als Breivik schließlich auf Utöya ankam, waren dort bereits viele Menschen vom Jugendferienlager der sozialdemokratischen Partei abgereist.

Dazu gehörten auch zahlreiche Spitzenpolitiker der norwegischen Sozialdemokraten, von Norwegens Ex-Ministerpräsidentin Gro Harlem Brundtland abwärts. Sie statteten der Insel von 11.10 Uhr bis 15.00 Uhr einen offiziellen Besuch ab. Gemäß Breiviks ursprünglichen Plänen wäre er ungefähr dann auf der Insel angelangt. Unter Berufung auf Polizeikreise schreibt „Aftenposten“, dass Breivik die nötigen Strecken bei der Planung der Attentate mehrmals abgefahren sei, niemals jedoch zur Hauptverkehrszeit.

Verspätung auch aus eigener Eitelkeit?

Offenbar brachte aber auch Breiviks Zwang zur Selbstdarstellung seine eigenen Pläne durcheinander. Wie es in dem Zeitungsbericht heißt, konnte er nicht davon lassen, noch bis zuletzt an seinem „Manifest“ herumzuschreiben, das er deshalb erst am frühen Nachmittag verschickte - zu einem Zeitpunkt, an dem er offenbar bereits die Bombe von Oslo gezündet haben wollte.

Die Egomanie des Täters erschöpft unterdessen offenbar auch die Ermittler. Wie es am Wochenende aus Polizeikreisen hieß, sei Breivik bei Befragungen „sehr auskunftsfreudig“. Ob und inwieweit Äußerungen darunter sind, die den Ermittlern weiterhelfen, ist nicht klar. Bekannt ist, dass Breivik den Behörden gegenüber absurdeste Forderungen stellt.

Breivik fordert Rücktritt der Regierung

Nach Medienberichten vom Sonntag verlangte der Attentäter etwa den Rücktritt von Norwegens Regierung als Gegenleistung für Aussagen über angebliche weitere terroristische „Zellen“ in Norwegen, mit denen er verbündet sei. Zwei Psychiater sollen den 32-Jährigen, der am 22. Juli 77 Menschen tötete, auf seine Zurechnungsfähigkeit untersuchen und ihr Gutachten bis Anfang November vorlegen.

Breiviks Anwalt hatte erklärt, er halte ihn für geisteskrank. Nach Medienangaben von Samstag wollte der Massenmörder auch Bomben am Osloer Schloss und der Parteizentrale der norwegischen Sozialdemokraten platzieren. Unklar blieb, ob das Teil der Pläne für den Freitag war beziehungsweise ob es überhaupt konkrete Pläne und Vorbereitungen dafür gab.

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