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Der nicht nur Solo-Piano-Man

Man sollte mit dem Wort Multitalent bekanntlich sparsam umgehen. Aber im Fall von Jason Charles Beck alias Gonzales drängt sich dieser Begriff auf - nicht zuletzt dank des andauernden Rollenwechsels des 39-jährigen Kanadiers, der als Solokünstler ebenso von sich reden macht wie als Grammy-nominierter Produzent.

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Jamie Lidell, Feist oder Peaches - alle diese kanadischen Künstler haben eines gemeinsam. Sie legen ihre künstlerische Arbeit für den Feinschliff gerne in die Hände von Chilly Gonzales. Über die Jahre hinweg ist der Kanadier zu einer festen Größe im Popgeschäft geworden. Gonzales steht für einen Typus von Musiker, der keinerlei Berührungsängste zu ganz unterschiedlichen Genres kennt und dessen Alben von einer ständigen Lust an musikalischen Wandlungen erzählen.

Da ist seine exzessive Poporgie in der 1970er- und 1980er-Tradition wie auf dem Album „Soft Power“ (2008), die Lust an Satie-artigen Klaviernummern wie auf dem Album „Solo Piano“. Und zuletzt steht da die Orchester-inspirierte Arbeit „The Unspeakable Chilly Gonzales“, die als Verbindung von klassischer Instrumentierung und Raptradition verstanden werden will.

Gefaktes kanadisches Passport von Chilly Gonzales

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Wer ist Chilly Gonzales?

Zu rasch gewachsen?

Mit den eigenen Arbeiten scheint Gonzales nie das Feld des Exzentrikers verlassen zu wollen. Für „Soft Power“ ging er einen Vertrag mit Mercury Records ein, um rasch festzustellen, dass er sich in zu kurzer Zeit ein großes Publikum erarbeiten wollte - und dann dementsprechend viele Kompromisse hätte machen müssen. Im Moment produziert er wieder für sein eigenes Label.

Unter seinen Arbeiten bleibt „Solo Piano“ das Album mit dem höchsten Publikumszuspruch. Bei seinen vielen Auftritten in Wien setzte Gonzales immer wieder auf dieses Instrument, mit dem er auch schon ein über 27-stündiges Konzert bestritt - das immer noch als das längste Konzert eines Musikers gilt.

Ein Kanadier in Paris

Machte Gonzales Ende der 1990er Jahre Berlin zu seiner künstlerischen Heimat, so ist der 1972 in Montreal geborene Künstler mittlerweile in Paris angekommen, wo er auch sein Album zuletzt im Club La Cigalle"in einer Live-Kammerkonzertierung präsentierte.

Den international größten Erfolg feierte er bisher als Mastermind hinter den Arbeiten seiner Landsfrau Leslie Feist, deren Album „Let It Die“ 2003 zu einem internationalen Bestseller wurde und Gonzales immerhin eine Grammy-Nominierung in der Kategorie bester Produzent einbrachte.

Erfolg ziehe ihn an, verriet Gonzales in einem Interview in diesem Frühjahr. Jane Birkin, für die er auch gearbeitet hat, habe eine starke Anziehung, verriet Gonzales dabei. „Sie erfüllt die Rolle einer Nachlassverwalterin ihres Ex-Mannes Serge Gainsburg mit großer Anmut.“ Stars wie Birkin würden eine große Anziehungskraft entfalten - und dass er gerne im Umfeld dieser Leute arbeitet, sagt Gonzales: „Ich möchte die Geheimnisse aufdecken, warum sie so erfolgreich sind.“ Dass er solchen Sätzen auch immer ein Lachen hinzufügt, darf vermuten lassen: Alles ist im Fluss bei Gonzales, und auch die Posen des Bösartigen sind bei ihm gerne Posen eben und Ironie.

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