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Kampf David gegen Goliath

Im Einsatz gegen die Piraten am Horn von Afrika fehlt es in Somaliland so gut wie an allem - zu wenige Schiffe, zu wenig Personal. Das sagt der Einsatzleiter der Piratenjäger, Admiral Ahmed Aw Osman. „Wir versuchen hier, eine 860 Kilometer lange Küstenlinie zu sichern“, so der Admiral. „Hier in Berbera haben wir sechs Boote, an anderen Posten noch zwölf andere.“

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Viel ist das nicht - vor allem, da Osman wöchentlich nur etwa 20 Barrel Treibstoff an seine Schiffe verteilen kann. Das Jahresbudget der Küstenwache beträgt rund 200.000 US-Dollar (168.294 Euro). Angesichts der Gelder, über welche die Piraten entlang der somalischen Küste verfügen, mutet die Arbeit der Küstenwache an wie der Kampf Davids gegen Goliath.

„Wir brauchen Boote. Und wir brauchen Treibstoff“, sagte Osman. Doch die selbst erklärte Republik Somaliland hat kein Geld. Die Regierung in Hargeisa, die bisher vergeblich auf internationale Anerkennung hofft, will mit energischer Jagd auf die Seeräuber an der somalischen Küste bei der internationalen Gemeinschaft Punkte machen. Dutzende mutmaßliche Piraten wurden an der somalischen Küste festgenommen und zu zum Teil hohen Haftstrafen verurteilt.

„Wir sind harmlose Fischer“

Im Gefängnis von Berbera wartet eine Gruppe mutmaßlicher Seeräuber ebenfalls auf ihren Prozess. Die Männer in verschwitzten T-Shirts und den traditionellen somalischen Wickelröcken sitzen in der halbdunklen Zelle auf Strohmatten. Es ist heiß, stickig, stinkt nach Urin und Schweiß. Einer der mutmaßlichen Piraten wischt sich mit dem Hemdsärmel Schweiß aus dem Gesicht. „Wir sind keine Piraten. Wir sind harmlose Fischer“, versichert er. Es ist ein Mantra, das selbst von überführten Piraten, die auf frischer Tat ertappt wurden, immer wieder zu hören ist.

„Lösegeldzahlungen erschweren Arbeit“

Doch meist ist die Beweislage schwierig, weiß Admiral Osman. „Wenn sie unsere Boote sehen, werfen sie Waffen und Leitern über Bord“, sagt der Küstenwachen-Chef. Auf die Schiffseigner, die Piraten Lösegeld zahlen, ist er nicht gut zu sprechen.

„Jede Lösegeldzahlung macht unsere Arbeit schwieriger. Die Piraten können sich immer schnellere Boote, immer bessere Waffen leisten. Und mit der Aussicht auf schnelles Geld steigt die Zahl der jungen Männer, die bei den Piratenbanden anheuern.“ Die Sorge um das Wohl der Besatzung versteht er zwar. „Aber den Piraten Geld zu zahlen, ist keine Lösung. Die Summen sind im Vergleich zu den Lösegeldern vor drei, vier Jahren explodiert, es ist ein Wahnsinn.“

Kein Ende in Sicht

Selbst Angehörige der Küstenwache sind vor den Versuchungen nicht immer gefeit. Im Gefängnis in Berbera zeigt Omar Adil Kadil, der im Hafen von Berbera eine Schiffsbesatzung der Küstenwache kommandiert, auf einen der Gefangenen. „Das war mal einer von uns“, erzählt er. „Nachdem er eine Gehaltserhöhung nicht bekommen hat, ist er nach Bossaso abgehaut und hat sich einer Piratengruppe angeschlossen.“

Bossaso in der benachbarten Region Puntland gilt als Informationsbörse für Schiffsüberfälle und erste Anlaufstelle von Möchtegernseeräubern. Ein Ende der Piraterie ist nicht in Sicht - derzeit befinden sich fast 600 Seeleute in der Gewalt von Piraten am Horn von Afrika.

Eva Krafczyk, dpa