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„Lieber Geld verlieren als Vertrauen“

Vor 150 Jahren wurde der deutsche Unternehmer Robert Bosch geboren. Mit 25 gründete er ein Unternehmen, in dem heute 285.000 Menschen beschäftigt sind und das jährlich fast 50 Milliarden Euro Umsatz erwirtschaftet. Er behob die Kinderkrankheiten des Autos, führte als einer der ersten Unternehmer den Achtstundentag ein und kämpfte im Widerstand gegen Hitler.

Bosch wurde als elftes von zwölf Kindern einer Gastwirtsfamilie am 23. September 1861 in Almbeck bei Ulm geboren. Das Handwerk des Mechanikers lernte er beim Erfinder der Glühbirne, Thomas Edison, in den USA und bei der Siemens-Niederlassung in Großbritannien. In Stuttgart gründete er 1886 sein eigenes Unternehmen, die „Werkstätte für Feinmechanik und Elektrotechnik“.

Hebamme des Automobils

Nur wenige Monate zuvor hatte Carl Benz seinen Motorwagen zum Patent angemeldet. Das gilt als die Geburtsstunde des Automobils und sollte dem Unternehmen Bosch mit zu seinem Erfolg verhelfen. Bosch entwickelte den Hochspannungsmagnetzünder für Benzinmotoren und revolutionierte damit die noch junge Automobilindustrie. Zuvor entzündete sich das Gasgemisch in den Tanks sehr leicht, und die Autos fingen regelmäßig Feuer. Auch die elektrischen Scheibenwischer, die Servobremse und der „Winker“, ein Vorläufer des Blinkers, wurden in den Bosch-Werkstätten konstruiert. Bis heute fährt kaum ein Auto auf den Straßen, in dem nicht Bosch-Teile ihren Dienst tun.

Achtstundentag und freier Samstag

Bosch war aber auch im Sozialbereich ein Pionier und führte vor den gesetzlichen Bestimmungen den Achtstundentag und den arbeitsfreien Samstag ein. Er sorgte in seinen Fabrikhallen für gute Belüftung und Beleuchtung und damit für bessere Arbeitsbedingungen. Für seine Mitarbeiter und deren Familien schuf er 1929 die Bosch-Hilfe, eine Alter- und Hinterbliebenen-Fürsorgeeinrichtung. Sein Engagement brachte ihm den Namen „der rote Bosch“ ein.

Robert Bosch spricht mit Lehrlingen

Bosch

1936: Robert Bosch prüft Lehrlingsarbeit

Ein weiterer Grundpfeiler seiner Unternehmensphilosophie war die Weiterbildung seiner Mitarbeiter. Im Jahr 1913 gründete er seine eigene Lehrlingsabteilung mit Lehrwerkstatt und 1916 den „Verein zur Förderung der Begabten“, den er mit zwei Millionen Mark ausstattete. Ziel des Vereins war es, finanziell schlechter gestellten Nachwuchshoffnungen ein Hochschulstudium zu ermöglichen. „Arbeitgeber und Arbeitnehmer sind in gleicher Weise von dem Schicksal ihres Unternehmens abhängig“, schrieb Bosch 1920. Allerdings waren seine Entscheidungen nicht nur menschenfreundlicher Natur. Durch die Verkürzung der Arbeitszeit auf acht Stunden, die eine spürbare Entlastung für seine Belegschaft bedeutete, war es Bosch möglich, Doppelschichten einzuführen und somit die Produktivität zu steigern.

„Ich habe viel Geld, weil ich gute Löhne bezahle“

Als das Unternehmen begann, Profit abzuwerfen, bezahlte Bosch seinen Mitarbeitern um 60 Prozent mehr Lohn als die Konkurrenz.

Robert-Bosch-Stiftung

In seinem Testament verfügte Bosch, dass die Erträge des Unternehmens gemeinnützigen Zwecken zugeführt werden sollen. Die Stiftung fördert gemeinnützige und soziale Projekte mit mehr als 60 Millionen Euro jährlich.

Seine Mitarbeiter sollten sich als Teil des Unternehmens fühlen und Verantwortung für dieses übernehmen. „Ich zahle nicht gute Löhne, weil ich viel Geld habe, sondern ich habe viel Geld, weil ich gute Löhne bezahle“, sagte Bosch. Über sein soziales Handeln hinaus war Bosch auch ein politisch engagierter Mensch. Die Erfahrungen im Ausland hatten ihn liberal geprägt. Die Nationalsozialisten mit ihrer aggressiven Außenpolitik waren dem Demokraten zuwider.

Aktiv im Widerstand gegen Hitler

Entgegen seiner persönlichen Überzeugung wurde das Unternehmen in die Rüstungspolitik des Dritten Reichs eingebunden, und Bosch musste zusehen, wie Zwangsarbeiter in seinen Fabriken eingesetzt wurden. Gemeinsam mit seinen Mitarbeitern arbeitete er aktiv im Widerstand und beteiligte sich an der Rettung jüdischer Mitarbeiter. Im Dokumentarfilm „Robert Bosch - Vermächtnis eines Großindustriellen“ erinnert sich die Tochter von Bosch an einen Wutausbruch des Vaters: „Warum bringt denn den Kerl niemand um?“, fragte er sich laut beim Gedanken an Hitler.

Das Ende des Krieges erlebte Bosch nicht mehr. Der Mann, der die Schulmedizin für sich persönlich ablehnte, starb am 12. März 1942 in Stuttgart an den Folgen einer Ohrenentzündung. Das Unternehmen beteiligte sich dem testamentarisch verfügten Wunsch seines Gründers entsprechend nicht an der Entwicklung von Waffentechnik und verfolgte weiterhin in hohem Maß ein soziales Engagement inner- und außerhalb des eigenen Unternehmens.

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