Golowatow: Litauens Haftbefehl „unverantwortlich“

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In der Causa um den von Litauen als Kriegsverbrecher gesuchten Michail Golowatow hat sich nun der Ex-KGB-Offizier selbst erstmals in einer österreichischen Tageszeitung zu Wort gemeldet. Der litauische Haftbefehl gegen ihn sei ein „politischer und unverantwortlicher Schritt seitens des litauischen Staates“, sagte Golowatow gegenüber der „Presse“ (Sonntag-Ausgabe). Die österreichische Exekutive habe sich aber „völlig korrekt“ verhalten, bekräftigte er erneut.

„Als ich den Haftbefehl las, war mir klar, dass er politisch motiviert war“, so der russische Ex-Kommandant. Auch sein Anwalt Gabriel Lansky, der laut Golowatow wahrscheinlich von der russischen Botschaft organisiert wurde, konnte in dem Haftbefehl „ausschließlich politische Motive erkennen“. Wörtlich soll Lansky nach Golowatows Angaben gesagt haben: „Kein einziger EU-Staat wird aufgrund dieses Haftbefehls die Forderungen der litauischen Seite erfüllen.“

Druck seitens Moskau, den ehemaligen KGB-Offizier nicht nach Litauen auszuliefern, dementierte Golowatow: „In Moskau war es zwei Uhr Nacht, in Österreich Mitternacht. Wie hätte man da irgendeinen Druck organisieren können?“ Nach der Freilassung und Golowatows Rückflug nach Russland stand in Litauen, aber auch in Österreich, der Vorwurf des „Kniefalls vor Russland“ im Raum.

Offene Fragen bleiben

Unklar ist auch nach dem „Presse“-Interview, wann die österreichischen Behörden die Entscheidung fällten, Golowatow nicht weiter festzuhalten. Offiziell wurde der 62-Jährige um 14.45 Uhr freigelassen - mit der Begründung, dass Litauen die von Österreich verlangten zusätzlichen Dokumente zum Haftbefehl nicht zeitgerecht übermittelte, so die österreichische Justiz. Laut Golowatow war jedoch die Entscheidung des Staatsanwaltes „anfänglich für elf Uhr angesetzt“. Die von Litauen angeforderten Dokumente (u. a. Präzisierung des Haftbefehls, Anm.) hätten somit - entgegen offiziellen Angaben - die Entscheidung nicht beeinflusst.

Golowatow wird von Litauen beschuldigt, während der „Blutnacht von Vilnius“ im Jänner 1991 an der Ermordung von 14 Personen beteiligt gewesen zu sein, als diese friedlich vor dem Vilniuser Fernsehturm demonstrierten. Golowatow war damals Kommandant der Sondereinheit Alpha. Laut dem litauischen Haftbefehl soll der Ex-General gemeinsam mit mehreren Komplizen zudem „Zivilisten systematisch angegriffen“ sowie „gefoltert“ und „illegal festgenommen“ haben.

Nur Aufgabe „erfüllt“

Zu den Vorwürfen des Haftbefehls sagte Golowatow gegenüber der „Presse“, dass er nur seine Aufgabe „erfüllt“ habe und den Befehl des damaligen sowjetischen Staatschefs Michail Gorbatschow ausgeführt. Man habe außerdem keine Kampfpatronen eingesetzt. „Wie hätte ich foltern können, wenn ich doch nicht einmal jemanden verhaftet habe?“, sagte Golowatow.