WikiLeaks: USA wollten Pol Pot nach China bringen

Zehn Jahre nach dem Fall des Terrorregimes der Roten Khmer in Kambodscha wollten die USA den dort noch lebenden Ex-Regimechef Pol Pot nach China abschieben. Das geht aus einer Depesche des US-Außenministeriums von 1989 hervor, die die Enthüllungsplattform WikiLeaks veröffentlichte. Der Inhalt wurde heute in Kambodscha bekannt. Eine Stellungnahme der Regierung gab es dazu nicht.

Die Depesche entstand nach den vergeblichen Bemühungen um eine Beilegung des Bürgerkriegs. Vietnamesische Truppen hatten die Roten Khmer 1979 nach vier Jahren Terrorherrschaft zwar gestürzt, doch formierten sich die alten Kräfte in Westkambodscha und kämpften weiter gegen die von Vietnam eingesetzte und lange international nicht anerkannte Regierung. Unter den Roten Khmer, die eine maoistische Bauerngesellschaft verwirklichen wollten, waren bis zu 2,2 Millionen Menschen ums Leben gekommen.

Pol Pot starb in Kambodscha

Die Depesche enthält Empfehlungen für Unterredungen mit chinesischen Diplomaten und stammt aus dem Büro des damaligen stellvertretenden Außenministers Lawrence Eagleburger. „Die andauernde Präsenz in Kambodscha von führenden Roten Khmer wie Pol Pot, (Außenminister) Ieng Sary und (Militärchef) Ta Mok sind besonders problematisch“, heißt es darin. „Um eine Lösung des Konflikts zu erreichen, wäre es hilfreich, wenn Ihre Regierung sich dafür einsetzt, dass diese inakzeptablen Rote-Khmer-Anführer nach China gehen.“

Ob die Bitte tatsächlich vorgetragen wurde, ist unklar. China, das die Roten Khmer jahrelang unterstützt hatte, nahm keine Rote-Khmer-Anführer auf. Pol Pot starb 1998 unbehelligt in Kambodscha, Ta Mok starb 2006. Ieng Sary steht heute mit drei weiteren einstigen Drahtziehern des Regimes in Phnom Penh vor einem Völkermordtribunal. Er weist alle Schuld von sich.