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Weltraumschrott soll wieder funken

Seit Jahrzehnten kreist „Prospero“ verwaist um die Erde. Dabei ist er für Großbritannien ein Unikat. Er war der erste und auch letzte Satellit, den die Briten mit einer eigenen Trägerrakete ins All beförderten. Eine kleine Gruppe britischer Forscher will nun dem Stück Weltraumschrott neues Leben einhauchen.

Das von PhD-Student Roger Duthie geleitete Team am Institut für Weltraumwissenschaft des University Colleges London versucht laut einem Bericht der BBC, die Kommunikation zu dem Satelliten wiederherzustellen - und das möglichst bis zum 40. Geburtstag „Prosperos“.

Britische Startrakete Black Arrow

artq55 unter cc by-sa

Nur einmal startete die britische Rakete ins All

Projektstopp schon vor Raketenstart

Der Satellit war am 28. Oktober 1971 mit einer Black-Arrow-Trägerrakete ins All geschossen worden. Der Start war gleichzeitig das Ende des britischen Weltraumprogramms. Die Regierung hat drei Monate vor dem Start den Stopp des Projekts angekündigt. Dennoch schaffte es das damalige Projektteam, den Satelliten nach mehreren Fehlstarts noch auf den Weg zu bringen - vom mittlerweile ebenfalls verwaisten Raketenstartplatz in Woomera in der australischen Wüste.

Angesichts des eingestellten Projekts beschloss man noch eine Namensänderung. Ursprünglich hätte der 66 Kilo schwere Satellit nach Puck, dem trickreichen Elfen aus William Shakespeares „Sommernachtstraum“ benannt werden sollen. Doch dann entschied man sich für „Prospero“: den Namen des Zauberers aus Shakespeares „Sturm“, der auf einem kaum seetüchtigen Boot vor einer tödlichen Intrige flieht, auf einer Insel strandet und von dort aus für Gerechtigkeit sorgt. Dieser schien der angemessenere Namensgeber für die offenbar zum Scheitern verdammte Mission.

Schon lange kein Kontakt

Tatsächlich lieferte „Prospero“ Daten bis 1973 von den durchgeführten Experimenten. Danach wurde er nur mehr bis 1996 einmal jährlich kontaktiert. Die Behörde Royal Aircraft Establishment war da schon längst aufgelöst. „Prospero“ wurde zum „Waisen einer Zukunft, die nie passiert ist“, schreibt der Blog Archeology of the Future einigermaßen pathetisch über das Ende der britischen Ambitionen im All. Hobbyfunker konnten die Signale „Prosperos“ zuletzt im Jahr 2000 einfangen, heißt es in der BBC.

Zunächst wolle man die Bodenstation rekonstruieren - und das aus verschüttetem Wissen, so Projektleiter Duthie. Dann werde man die Kommunikation versuchen, um zu sehen, ob der Satellit noch kontaktierbar ist: „Und wenn das gelingt, gibt es Champagner“, so Duthie.

Kontaktcodes in Nationalarchiv entdeckt

Bis dahin ist es aber noch ein schwieriger Weg: Die Suche nach den Unterlagen der aufgelösten Behörde gleicht einer Schnitzeljagd. Die technischen Berichte aus den 1970er Jahren und insbesondere die Codes für den Kontakt zum Satelliten schienen verloren gegangen zu sein. „Wir haben mit den Leuten, die mit dem Projekt ‚Prospero‘ befasst waren gesprochen“, so Duthie. „Wir haben uns durch verstaubte Kisten in Dachböden gewühlt“, auch in der Bibliothek des Flugplatzes Farnborough, wo die RAE ihren Sitz hatte.

Mehr oder weniger zufällig fanden die „Astroarchäologen“ dann im britischen Nationalarchiv in London einen Zettel, auf dem die Kontaktcodes aufgeschrieben waren. Der nächste Schritt ist nun, das technische Equipment auf der Erde zu rekonstruieren und aufzubauen. Schließlich müssen sich die Forscher aber bei der britischen Medienaufsichtsbehörde Ofcom, die auch für die Frequenzvergabe zuständig ist, noch um eine Funklizenz bemühen. Gelingt es in Tests, „Prospero“ tatsächlich anzusprechen, soll es dann zum 40-jährigen Jubiläum des Raketenstarts auch eine öffentliche Vorführung geben.

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