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Fetter Speisebrei

Nach dem Fund der weltbekannten Gletschermumie „Ötzi“ im September vor 20 Jahren ist vor kurzem die letzte Mahlzeit des über 5.300 Jahre alten Eismannes wissenschaftlich untersucht worden.

„Es war ein sehr fetthaltiger Speisebrei mit muskulösen Anteilen, was auf Steinbockfleisch hindeutet“, erklärte Eduard Egarter Vigl, Konservierungsbeauftragter am Südtiroler Archäologiemuseum, im Gespräch mit der APA und bestätigte damit entsprechende Medienberichte.

Im Magen sei aber noch einiges andere gefunden worden, betonte Egarter Vigl. Interessant sei, woher das viele Fett in dem homogenen Brei stamme - ob es aus einem ebenfalls verzehrten Käse oder der Fettschicht des Tieres komme. Diese Fragen seien nach wie vor offen. Offiziell sollen die Ergebnisse Mitte Oktober im Zuge eines wissenschaftlichen Kongresses anlässlich des Jahrestages der Auffindung der Mumie präsentiert werden. Der Fund jährt sich am 19. September zum 20. Mal.

Tod trat kurz nach dem Essen ein

Belegt sei auch, dass sich Ötzi nicht länger als 30 bis 45 Minuten vor seinem Tod an dem nahrhaften Steinbockfleisch gelabt hatte. „Nach rund 30 Minuten werden Kohlenhydrate und Fettanteile aus der Speise verdaut“, erklärte der Wissenschaftler. Nachdem es aber so eine Menge gewesen sei, könne die Nahrungsaufnahme nicht mehr als 45 Minuten zurückgelegen haben, beschrieb Egarter Vigl den seiner Meinung nach sehr gut erhaltenen Mageninhalt.

Im Rahmen dieser Untersuchungen seien auch die Zähne der Gletschermumie unter die Lupe genommen worden. Dabei hätte die bisherige Annahme, dass die Zähne frei von Karies seien, korrigiert werden müssen. „Sie haben Spuren von Karies gezeigt“, bestätigte Egarter Vigl die ersten Ergebnisse durch die angewendete Endoskopie.

Mehrere Institute beschäftigt

Mehrere Institute, unter anderem in Bozen, Innsbruck, Magdeburg, Bordeaux und in Schweden, seien mit den Untersuchungen des Mageninhaltes beauftragt gewesen. Zuletzt habe man einem biochemischen Institut in Amerika eine Probe zukommen lassen, erklärte der Konservierungsbeauftragte das Prozedere. Mit dem entnommenen Material könne nun die nächsten Jahre ausreichend geforscht werden. Früher oder später sei es allerdings auch interessant, die in der Leiche entdeckte Pfeilspitze genauer anzuschauen, sagte Egarter Vigl.

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