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Verlage wollen investieren

Eine 2011 vom Hauptverband des Österreichischen Buchhandels durchgeführte Befragung zeigt erstmals die Situation des heimischen E-Book-Markts aus der Sicht der Verleger. Nach wie vor sind E-Books zwar noch eine Randerscheinung, doch die Verlage sind bereit zu investieren. Etwa ein Drittel bleibt jedoch hartnäckig und will auch in Zukunft keine E-Books herausgeben.

Die heimische Verlagsbranche ist sich in Sachen E-Books noch sehr unsicher. Nur ein kleiner Teil von 17 Prozent stellte sich bereits auf das elektronische Format ein und gab bereits 2010 E-Books heraus. Das zeigte die Befragung der über 200 österreichischen Verlage durch den Hauptverband des Österreichischen Buchhandels (HVB).

Etwa zehn bis 20 Prozent der Neuerscheinungen kommen neben dem Papier auch in elektronischer Form auf den Markt. Bezogen auf den bereits bestehenden Altbestand ist das mit etwa einem Prozent ein verschwindend geringer Anteil, so das Ergebnis der am Montag veröffentlichten Studie.

Umsatzanteil noch sehr gering

Dementsprechend gering fällt auch der Umsatzanteil der E-Books aus. Im Jahr 2010 war es bei 44 Prozent der bereits in E-Book investierenden Verlage ein Umsatzanteil von unter einem Prozent. Knapp ein Viertel (22,2 Prozent) gaben einen Wert zwischen ein und fünf Prozent an. Bei den restlichen 22,2 Prozent lag der E-Book-Anteil bereits bei über fünf Prozent. Beim Vertrieb setzen die meisten Betriebe auf ihre eigene Firmenwebsite. Auf den Plätzen zwei und drei folgen Onlinebuchhändler und die Downloadplattform der Deutschen Buchbranche libreka.

Preispolitik: Geteilte Meinung

Häufig wird für den langsamen Start des E-Books die Preispolitik genannt. Nach der hierzulande bestehenden Buchpreispolitik sind die Händler an die Verlagsvorgaben gebunden, die auch für das elektronische Buch gelten. Mit 68 Prozent legt die Mehrheit der Verlage die E-Book-Preise tendenziell etwas niedriger an als bei gedruckten Büchern, ergab die Befragung. Der Rest macht zwischen dem physischen und elektronischen Buch keinen Preisunterschied. Beim Blick in die Zukunft der Preisgestaltung teilt sich die Branche in zwei Lager: Die Mehrheit (53,8 Prozent) erwartet sinkende E-Book-Preise, während die andere Hälfte von konstanten Preisen ausgeht.

Große Unsicherheit bei den Formaten herrscht nicht nur bei den Kunden, sondern auch bei den Verlegern. Derzeit haben die Verlage bei ihren E-Books zu 88,5 Prozent PDF, 50 Prozent EPUB und 15,4 Prozent mobipocket angewandt. 29 Prozent meinte, dass die Formate auch in Zukunft parallel bestehen werden, die Mehrheit (36,9 Prozent) wollte dazu kein Urteil abgeben. Lediglich 17,2 Prozent gehen davon aus, dass sich ein Format durchsetzen wird, wobei knapp zwei Drittel davon dem PDF-Format die größten Chancen zurechnet, der Rest glaubt an das EPUB-Format.

Zwei Drittel planen E-Book-Engagement

Dass nicht jeder Verlag vom E-Book-Trend überzeugt ist, zeigte die Frage nach den Zukunftsplänen. Unter jenen, die bis dato noch keine E-Books im Sortiment haben, plant ein Drittel (33,7 Prozent) das noch heuer bzw. nächstes Jahr zu tun, etwa ein weiteres Drittel (30,3 Prozent) gab an, das auf einen späteren Zeitpunkt zu verschieben. Während sich die restlichen 36 Prozent der Entwicklung total verweigern und meinten, sich auch in Zukunft nicht im Segment E-Books positionieren zu wollen.

Nicht unwesentlich daran dürften die Ängste um die Buchbranche sein. Am meisten fürchten die Verlage Umsatzverluste bei den Printtiteln (62 Prozent), gefolgt von der Befürchtung, dass sich das Geschäft verstärkt auf Onlinehändler konzentriere. Mehr als die Hälfte (51 Prozent) glaubt auch an Umsatzverluste durch Raubkopien. Auch die Angst vor den Auswirkungen auf das Preisniveau aller Bücher beschäftigt immerhin 27,3 Prozent.

Etwas anders werden die Risiken für den eigenen Verlag gesehen. Hier dominiert die Angst vor Raubkopien (49,2 Prozent) vor den Umsatzverlusten bei gedruckten Büchern. Doch die Verlage können den E-Books auch etwas Positives abgewinnen. Das größte Potenzial wird in der Erschließung neuer Kundenschichten gesehen. Auch die Erweiterung des Vertriebsnetzes ist eine Motivation für das Engagement im digitalen Bereich.

Österreich zurückhaltender als Deutschland

Verglichen mit den deutschen Nachbarn zeigt sich die Branche hierzulande etwas verhaltener in ihren Erwartungen. Während bei den entsprechenden Verlagen hierzulande bis 2015 ein E-Book-Umsatzanteil von fünf bis zehn Prozent erwartet wird, erwarten deutsche Verlage einen Anstieg des Umsatzanteiles von bis 16 Prozent.

„Noch hält sich das Interesse des Publikums in Grenzen. Aber E-Books sind eindeutig im Kommen. Knapp 17 Prozent der österreichischen Verlage haben 2010 bereits E-Books vertrieben, weitere 22 Prozent starten mit der E-Book-Produktion in diesem Jahr“, so Gerald Schantin, Präsident des Hauptverbandes des Österreichischen Buchhandels. „In diesem Herbst kommt eine neue Generation von technisch deutlich verbesserten Lesegeräten auf den Markt: Für die steigende Nachfrage seitens der Konsumenten sind wir also gerüstet.“

Claudia Glechner, ORF.at

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