Taliban ermordeten afghanischen Ex-Präsidenten

Die Taliban haben sich zu dem Selbstmordanschlag auf den früheren afghanischen Präsidenten Burhanuddin Rabbani bekannt. Ein Taliban-Sprecher sagte gestern, zwei Kämpfer hätten Rabbani in dessen Haus zu Gesprächen getroffen. Einer von beiden habe dann einen Sprengsatz gezündet. Dieser sei im Turban versteckt gewesen. Bei dem Anschlag seien neben Rabbani und den zwei Taliban auch vier Sicherheitskräfte getötet worden.

Der frühere Präsident führte Friedensgespräche mit den aufständischen Taliban. Rabbanis Haus befindet sich in der Nähe der US-Botschaft im Zentrum der afghanischen Hauptstadt. Rabbani habe sich zur Zeit des Anschlags mit zwei Vertretern der Taliban getroffen, meldete die BBC.

In der vergangenen Woche hatten Aufständische einen Großangriff auf das streng bewachte Diplomatenviertel in Kabul verübt. Bei dem rund 19 Stunden dauernden, koordinierten Angriff in der Nähe der US-Botschaft in Kabul waren mindestens 14 Afghanen, darunter drei Kinder, getötet worden.

Karzai brach Besuch bei UNO-Generalversammlung ab

Als Reaktion auf die Ermordung Rabbanis brach sein Amtsnachfolger Hamid Karzai seinen Besuch bei der UNO-Generalversammlung in New York ab. Karzai werde umgehend nach Afghanistan zurückkehren, teilte sein Sprecher in Kabul mit. „Präsident Karzai ist auf dem Weg zum Flughafen.“

USA: Anschlag ist Teil einer Strategie

Das US-Verteidigungsministerium wertete den tödlichen Anschlag als Teil einer Strategie. Die radikalislamischen Taliban verübten zunehmend Attentate auf ranghohe Persönlichkeiten, sagte Verteidigungsminister Leon Panetta in Washington. US-Generalstabschef Mike Mullen sagte, die Taliban seien aufgrund ihrer Schwächung durch die Erfolge der internationalen Militärkoalition zu „spektakulären Angriffen“ übergegangen. Trotz der Schwächung der Taliban müssten diese Anschläge ernst genommen werden, betonte Mullen. „Aus strategischer Sicht sind sie bedeutend.“