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Hilfe für Anschlag in Kabul?

Pakistan muss sich schwere Vorwürfe gefallen lassen, und das ausgerechnet vom Verbündeten USA: Am Donnerstag beschuldigte US-Generalstabschef Admiral Mike Mullen das zentralasiatische Land, Terror zum Nachbarn Afghanistan „zu exportieren“.

Mehr noch: Mullen warf dem pakistanischen Militärgeheimdienst eine Beteiligung an einem Angriff von Extremisten auf die US-Botschaft in der afghanischen Hauptstadt Kabul vergangene Woche vor.

Das Aufständischennetzwerk Haqqani agiere wie ein „Arm“ des pakistanischen Geheimdienstes Inter-Service Intelligence (ISI), zitierte die britische BBC Mullen am Donnerstag aus einer Anhörung vor dem US-Senat in Washington. Pakistan bediene sich des Netzwerks als ein „politisches Instrument“, sagte der Admiral. Der ISI sah sich bereits mehrfach mit Anschuldigungen konfrontiert, von radikalen Islamisten unterwandert zu sein. Das pakistanische Innenministerium dementiert das nachdrücklich.

„Glaubhafte Informationen“

Doch Mullen bleibt bei seinen Vorwürfen: „Haqqani-Kämpfer haben sowohl den Autobombenanschlag (am 11. September, Anm.), als auch den Angriff auf unsere Botschaft mit Unterstützung des ISI geplant und durchgeführt“. „Wir haben auch glaubhafte Informationen darüber, dass sie auch hinter dem Anschlag auf das Hotel InterContinental in Kabul am 28. Juni und einer großen Zahl kleinerer, aber nicht minder effektiver Operationen stecken“, so Mullen weiter.

Fast 20 Stunden Gefechte mit Extremisten

Bei dem koordinierten Angriff von Extremisten auf das Diplomatenviertel in Kabul am Dienstag letzter Woche kamen bis zu 25 Menschen ums Leben. Die Gefechte zwischen den Terroristen und Sicherheitskräften hatten fast 20 Stunden gedauert. US-Soldaten der NATO-geführten ISAF-Truppe nahmen zwei Männer fest. Einer davon sei Angehöriger der radikalislamischen Taliban, der andere Mitglied des Haqqani-Netzwerks, gab das US-Verteidigungsministerium später bekannt.

Unter dem früheren Diktator Pervez Musharraf hatte Pakistan von den USA seit 2001 Zuwendungen von weit mehr als zehn Milliarden Dollar (fast 7,5 Mrd. Euro) erhalten, um den Terrorismus von Al-Kaida und der Taliban zu bekämpfen.

Pakistan „größte Gefahr für Afghanistan“

US-Senator Mark Kirk vertritt ähnliche Ansichten wie Mullen. Er bezeichnete Pakistan als „die größte Gefahr für Afghanistan“. Vom ISI gehe eine „enorme Bedrohung“ für die US-Truppen in Afghanistan aus, sagte der republikanische Politiker und Inhaber des früheren Senatssitzes von Präsident Barack Obama im US-Bundesstaat Illinois. „Machen wir uns nichts vor, viele Amerikaner sind wegen des ISI getötet worden“, sagte Kirk, der als Reserveoffizier auf Geheimdienstfragen spezialisiert ist.

Pakistan-Hilfe „naiv und kontraproduktiv“

Der 52-jährige Kirk plädierte für ein generelles Überdenken der amerikanischen Pakistan-Hilfe, die er als „bestenfalls naiv und kontraproduktiv“ bezeichnete. Im Streit über den US-Einsatz zur Erschießung von Al-Kaida-Chef Osama bin Laden im Mai war es zu einem schweren Konflikt zwischen Washington und Islamabad gekommen.

In Pakistan war der mächtige militärische Nachrichtendienst ISI wegen der Kommandoaktion heftig kritisiert worden. Die US-Regierung vermutete, dass Bin Laden Unterstützer bei den pakistanischen Behörden hatte.

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