Ägypten: Seit Sturz Mubaraks emigrierten 100.000 Kopten

Mehr als 100.000 koptische Christen haben Ägypten seit dem Sturz des Regimes von Ex-Präsident Hosni Mubarak im März verlassen. Diese Zahl nannte die Egyptian Union for Human Rights auf Grundlage eigener Erhebungen in Kairo, wie Kathpress heute berichtete.

Nach Schätzungen des Direktors der Organisation, Nagib Gabriel, könnte die Zahl der emigrierten Christen bis zum Jahresende 250.000 erreichen. Bei anhaltender Abwanderung würde die koptische Gemeinschaft in Ägypten binnen zehn Jahren um ein Drittel schrumpfen. Dabei seien sie eine „wirtschaftliche Säule des Landes“, so Gabriel.

Repression und Einschüchterung

Die koptischen Christen reisten nicht freiwillig aus, sondern würden durch Einschüchterungen von Anhängern einer radikalen Richtung des Islam, der Salafisten, und aufgrund fehlenden Schutzes durch die Regierung dazu gezwungen, so Gabriel.

Die Auswanderung betreffe vor allem die junge Wirtschaftselite unter den Kopten, die Repressalien von militanten Islamisten und Einschränkungen für ihr Leben und ihre Geschäftstätigkeit fürchteten.

Hauptemigrationsland USA

Nach Angaben der Menschenrechtsorganisation wanderten die meisten Kopten in die Vereinigten Staaten aus. Rund 16.000 ließen sich demnach in Kalifornien nieder, 10.000 in New Jersey, 8.000 in New York und weitere 8.000 in den übrigen US-Bundesstaaten. 14.000 Kopten übersiedelten laut der Organisation nach Australien. 20.000 suchten eine neue Heimat in Europa, vor allem in den Niederlanden, Italien, Großbritannien, Frankreich, Deutschland und auch Österreich.