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Familiendrama vorerst entschieden

Die 88-jährige L’Oreal-Milliardärin Liliane Bettencourt, die einem medizinischen Gutachten zufolge an Demenz leidet, wird entmündigt. Das teilten die Anwälte Bettencourts und ihrer Tochter Francoise Bettencourt-Meyers nach einer Entscheidung eines französischen Vormundschaftsgerichts am Montag in Courbevoie bei Paris mit.

Die alte Dame werde unter Vormundschaft ihres ältesten Enkels Jean-Victor Meyers gestellt, die Verwaltung ihres Vermögens werde der Tochter und ihren zwei Enkeln übertragen. Liliane Bettencourt ist die reichste Frau Frankreichs.

Die Tochter hatte ihrer Mutter monatelang einen erbitterten Familienstreit geliefert, weil sie die alte Dame von Mitarbeitern und Beratern ausgebeutet sah. So hatte die einzige Tochter der L’Oreal-Milliardärin dem Künstler Francois-Marie Banier vorgeworfen, ihre Mutter um fast eine Milliarde Euro in Form von Gemälden, Immobilien, Lebensversicherungen und Schecks erleichtert zu haben. Mehrere Versuche von Francoise Bettencourt-Meyers, ihre Mutter entmündigen zu lassen, waren vorher gescheitert.

88-Jährige will ins Ausland

Im Juni hatten Ärzte in einem Gutachten festgestellt, die Milliardärin leide unter Gedächtnis- und Bewusstseinsstörungen. Zuletzt hieß es laut Medienberichten, sie leide unter fortschreitender Demenz. Liliane Bettencourt hatte angekündigt, im Falle einer Entmündigung ins Ausland zu gehen.

Ein Schlichtungsabkommen, das vergangenes Jahr erzielt worden war, wurde kürzlich gebrochen. Die Tochter warf ihrer Mutter vor, sich von ihren Vertrauten instrumentalisieren zu lassen. Bettencourt verfügt nach Schätzungen des US-Magazins „Forbes“ über ein Vermögen von etwa 23,5 Milliarden US-Dollar (rund 17 Mrd. Euro). Sie sitzt im Verwaltungsrat des Kosmetikkonzerns L’Oreal. Ihre Tochter Francoise betonte, dass sich durch die Anordnung der Vormundschaft für L’Oreal nichts ändere, da die Familie ihre Rechte über eine Holding ausübe.

Der Familienstreit hatte eine Reihe von Affären ausgelöst, die im vergangenen Jahr auch die konservative Regierung von Präsident Nicolas Sarkozy erschütterten. Neben Steuerhinterziehung wurde der L’Oreal-Hauptaktionärin vorgeworfen, illegale Parteispenden an die konservative Regierungspartei UMP übergeben zu haben. So untersuchte die Justiz, ob eine illegale Spende in Höhe von 150.000 Euro für den Präsidentschaftswahlkampf von Sarkozy im Jahr 2007 floss.

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