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EU-Verbot reguliert Importe nicht

Das gravierende Problem der Vergiftung von Flüssen in China durch die Textilindustrie hat zuletzt Mitte Juli nach der Veröffentlichung des Greenpeace-Berichts „Schmutzige Wäsche“ Schlagzeilen gemacht. Vor wenigen Wochen veröffentlichte Greenpeace den zweiten Teil des Berichts. Dieser zeigt, dass auch in fertigen T-Shirts, Hosen und Schuhen noch eine große Menge giftiger Substanzen vorhanden ist.

Für den Bericht „Schmutzige Wäsche 2“ kaufte die Umweltschutzorganisation 78 Textilprodukte von 15 verschiedenen Marken - darunter Nike, H&M, Converse, Puma, adidas, G-Star Raw und Calvin Klein - in 18 Ländern, auch in Österreich. Die Kleidungsstücke wurden nicht nur in China produziert, sondern in 13 verschiedenen Ländern wie Thailand, Vietnam, Bangladesch und der Türkei.

Alarmierende Stichprobe

Unabhängige Labore analysierten die Produkte. Das Ergebnis: Von den 78 Kleidungsstücken waren in 52 höhere Mengen problematischer Chemikalien enthalten. Von den vier in Österreich gekauften Produkten waren zwei betroffen: ein Produkt der Marke Kappa und eines von Nike. Von den 15 Marken, deren Produkte untersucht wurden, enthielten Kleidungsstücke von 14 Marken diese Chemikalien. Ausnahme war die US-Modekette GAP.

NP: Weit verbreiteter Schadstoff

Nonylphenolen (NP) kommt in der Textilproduktion und bei der Bearbeitung von Metallen zum Einsatz und wird auch in Haarwaschmitteln und Haushaltsreinigern verwendet. Die Auswirkungen auf den Menschen sind noch wenig erforscht. Mehr Informationen bietet Marktcheck.greenpeace.at.

Die Produkte wurden auf das Alkylphenol Nonylphenolethoxylat (NPE) untersucht, das später zu Nonylphenol (NP) zerfällt. Nonylphenole werden in der Textilindustrie vielfältig genutzt, etwa zum Waschen der Textilien während des Färbens. In der EU gilt die Substanz seit 2001 als giftige Chemikalie. Seit 2003 ist die Anwendung von NP und NPE in der EU weitgehend verboten. Importierte Produkte sind von dieser Regelung allerdings nicht betroffen.

Kläranlagen nutzlos

Die giftigen Substanzen richten aber auch nach der Produktion Schaden an. Wenn der Konsument das Kleidungsstück nach dem Kauf wäscht, kommen die langlebigen Chemikalien ins Abwasser. Selbst moderne Kläranlagen können sie nicht vollständig filtern. Dadurch gelangen Nonylphenole in den Wasserkreislauf. Sie schaden Fischen und anderen Wasserlebewesen und reichern sich in der Nahrungskette an.

Die hormonell wirksame Substanz erreiche so auch den menschlichen Organismus, warnte Greenpeace. In geringer Konzentration sind sie zwar für den Menschen vermutlich nicht schädlich, stellen laut Greenpeace aber eine unnötige Belastung und Vergiftung der Umwelt dar.

Greenpeace-Aktivist demonstriert gegen Abwässer

Reuters/Chaiwat Subprasom

„Detox“ (Entgifte!) fordern Greenpeace-Aktivisten in Thailand

Boykott „nicht sinnvoll“

Die Ergebnisse des Berichts seien nur die Spitze des Eisbergs, so Greenpeace. Die Konsumenten würden von den Herstellern unwissentlich zu Wasserverschmutzern gemacht. Ein Boykott der betroffenen Konzerne sei allerdings nicht sinnvoll, so Claudia Sprinz, Greenpeace-Konsumentensprecherin, im Gespräch mit ORF.at, denn die Untersuchung zeige, dass es sich nicht nur um einzelne Produkte oder Firmen handle, sondern um die gesamte Textilbranche. Vielmehr müsse man die Hersteller auffordern, einen konkreten Plan zu entwickeln, wann und wie gefährliche Chemikalien aus den Produkten und der Lieferkette entfernt werden können.

Arbeiter mit gefärbtem Stoff

Reuters/Mark Ralston

Frisch gefärbter Stoff in einer Textilfabrik in China

Einen ersten Erfolg konnte die Umweltschutzorganisation bereits nach der Veröffentlichung des ersten Teils des Berichts „Schmutzige Wäsche“ Mitte Juli verbuchen. Für den Bericht wurden Abwasserproben zweier großer Textilfabriken in China analysiert. Sie wiesen laut Greenpeace „eine große Anzahl hormonell wirksamer sowie giftiger Chemikalien“ nach. Nach Veröffentlichung der Ergebnisse verpflichteten sich die Sportartikelhersteller Nike und Puma dazu, ihre Produktion umzustellen.

Hundert Liter Wasser für ein Kilo Stoff

Die Bekleidungsindustrie ist Greenpeace zufolge eine der wasserintensivsten Branchen überhaupt. Für ein Kilo Stoff werden bis zu 100 Liter verbraucht. Textilien werden mehrmals gewaschen, bevor sie in die Geschäfte kommen. In T-Shirts und Trikots sollen sich möglichst wenige Rückstände der mehreren 1.000 Chemikalien finden, die zum Färben, Bedrucken und Imprägnieren eingesetzt werden können.

Moderiesen beugen sich dem Druck

Nach Veröffentlichung des Bericht sahen sich die großen Modelabels zum Handeln verpflichtet: H&M, adidas, Puma und Nike kündigten kürzlich an, in den nächsten Jahren gefährliche Chemikalien aus der Prodution zu verbannen. Adidas erklärte sich auch dazu bereit, Daten über den Einsatz solcher Stoffe zu veröffentlichen.

Romana Beer, ORF.at

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