Tunesien: Militär feuert Warnschüsse ab

Wenige Stunden nach der offiziellen Bekanntgabe des Wahlergebnisses haben tunesische Sicherheitskräfte mit Schüssen in die Luft und Tränengas in der Provinzstadt Sidi Bouzid versucht, eine Gruppe Demonstranten auseinanderzutreiben. Das berichteten zwei Augenzeugen gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters.

Hunderte Anhänger der viertplatzierten Volksliste Arredhya Chaabiya demonstrierten und zündeten aus Protest gegen die Entscheidung der Wahlkommission Autoreifen an. Diese hatte sechs der 19 gewonnenen Mandate für ungültig erklärt. Daraufhin hatte der Chef von Arredhya Chaabiya, Hachemi Hamdi, angekündigt, alle Mandate zurückzuziehen.

Aus dem Innenministerium verlautete, dass in der Nacht ein Ausgehverbot verhängt werden soll.

Sturm auf Gouverneursbüro

„Das Militär versucht, die Menschen mit Warnschüssen und Tränengas auseinanderzutreiben“, so einer der Augenzeugen, Attia Athmouni. Der zweite Augenzeuge, Mahdi Horchani, sagte, das Militär habe eingegriffen, als die Menge versuchte, den Sitz des Gouverneurs anzugreifen.

In Sidi Bouzid hatte im Winter die tunesische Revolution ihren Ausgang genommen, nachdem sich dort ein Obsthändler aus Protest gegen die aussichtslose wirtschaftliche Lage und die Verfolgung durch die Behörden selbst angezündet hatte.

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Klarer Sieg für Islamisten

Heute Früh hatte die Wahlkommission das vorläufige Wahlergebnis mitgeteilt: Demnach gingen die gemäßigten Islamisten mit mehr als 40 Prozent der Stimmen als klare Sieger der Wahl zur verfassungsgebenden Versammlung hervor.

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