Triest verliert das Caffe degli specchi

In Triest geht eine Epoche zu Ende. Das bekannteste Kaffeehaus der ehemaligen habsburgischen Hafenstadt, das sogenannte Spiegel-Cafe (Caffe degli specchi), ist mehr als 171 Jahre nach seiner Eröffnung geschlossen worden. Das Kaffeehaus mit seinen üppigen Kronleuchtern, das der Grieche Nicolo Priovolo 1839 aufsperrte, befand sich in einem der Prachtbauten an der zentralen Piazza dell’Unita d’Italia, der Casa Stratti. Zu den Stammgästen zählten unter anderem Rainer Maria Rilke, Franz Kafka und James Joyce.

Die Gesellschaft, die das traditionsreiche Kaffeehaus verwaltete, meldete unter dem Druck der zunehmenden Mietausgaben Konkurs an. 38.000 Euro betrug die Quartalsmiete, welche die Gesellschaft dem Lokaleigentümer, der Triester Versicherungsgesellschaft Generali, zahlen musste, berichtete die lokale Tageszeitung „Il Piccolo“. Die 13 Angestellten des Cafes wurden entlassen.

„Alle Interessenten sind geflüchtet“

„Ich habe in das Lokal alles, was ich hatte, investiert. Ich wollte den Neustart schaffen, es ist mir aber nicht gelungen. Ich habe das Kaffeehaus sogar zu verkaufen versucht. Alle Interessenten sind geflüchtet, sobald sie von der hohen Miete gehört haben“, klagte der Unternehmer Andrea Sessa, der mit seinem Vater das Kaffeehaus in den 90er Jahren übernommen hatte. 2001 hatten die beiden das Lokal renoviert. „Die Krise und die zunehmende Konkurrenz waren für uns jedoch verheerend“, so Sessa.

Die Kaffeehäuser in Triest haben eine lange Tradition und stehen unter venezianischem Einfluss. In späteren Jahrhunderten kamen habsburgische Einflüsse dazu, besonders in puncto Raumgestaltung. Das älteste urkundlich erwähnte Kaffeehaus aus dem Jahre 1768 ist das Kaffeehaus Benedetto Capano in der Via San Nicolo.