Lebenslang für US-Soldaten wegen Mordes an Afghanen

Im Prozess um die Ermordung von drei afghanischen Zivilisten durch eine Gruppe von US-Soldaten ist der mutmaßliche Anführer der Gruppe zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Ein Militärgericht im US-Bundesstaat Washington sprach den 26 Jahre alten Unteroffizier Calvin Gibbs gestern (Ortszeit) in allen 15 Anklagepunkten schuldig, darunter des vorsätzlichen Mordes in drei Fällen.

Das Militärgericht auf dem Stützpunkt Lewis-McChord nahe Seattle räumte Gibbs aber zugleich die Chance auf eine vorzeitige Entlassung nach mindestens zehn Jahren Haft ein. Darauf hatten Gibbs Verteidiger gedrängt, während die Staatsanwaltschaft lebenslange Haft ohne die Möglichkeit einer vorzeitigen Entlassung gefordert hatte.

In den Schlussbemerkungen vor der Urteilsverkündung hatte Militärstaatsanwalt Dre LeBlanc den Angeklagten mit den Worten angesprochen, mit denen der Unteroffizier seine afghanischen Opfer bezeichnet haben soll. „Hier ist der Wilde“, sagte LeBlanc und zeigte auf Gibbs. „Unteroffizier Gibbs ist der Wilde.“

Vier weitere angeklagt

Eine Gruppe von US-Soldaten soll unter dem Kommando von Gibbs ein regelrechtes „Tötungsteam“ gebildet und Jagd auf afghanische Zivilisten gemacht haben. Neben Gibbs waren vier weitere US-Soldaten angeklagt worden, von denen drei nach Schuldbekenntnissen zu Haftstrafen verurteilt wurden und sich bereiterklärten, gegen Gibbs auszusagen. Die Einheit soll zwischen Januar und Mai 2010 in der südlichen afghanischen Provinz Kandahar drei Zivilisten ermordet haben.

In den Ermittlungen waren grausige Details ans Licht gekommen, die Soldaten behielten demnach Finger und Zähne ihrer Opfer als Trophäen. Das Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ hatte im März Fotos veröffentlicht, auf denen zwei der Angeklagten neben Leichen posieren. Der Fall hatte dem Ansehen der US-Armee erheblich geschadet, ähnlich wie die 2004 aufgedeckte Misshandlung von Gefangenen durch US-Soldaten im Gefängnis Abu Ghraib während des Irak-Kriegs.