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Militärführer ohne Geschick

Feldmarschall Mohammed Hussein Tantawi ist aktuell der mächtigste Mann in Ägypten. Er gilt als Pragmatiker ohne Gespür für Diplomatie und leise Zwischentöne. 20 Jahre lang hatte der Karriereoffizier, der zur Minderheit der Nubier gehört, unter Präsident Hosni Mubarak gedient.

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Tantawi hat wie Ex-Präsident Mubarak und dessen Amtsvorgänger Anwar al-Sadat an den Kriegen gegen Israel teilgenommen. 1956 trat er in den Dienst der Armee, zu deren Kommandant er 1991 von Mubarak ernannt wurde. Gleichzeitig übernahm er das Amt des Verteidigungsministers.

Keine Meinung zu drängenden Problemen

Als Minister führte er häufig Gespräche mit ausländischen Politikern. Aus politischen Entscheidungen - etwa zur Frage, wie sich Kairo zu der radikalen Palästinenser-Organisation Hamas im benachbarten Gazastreifen positionieren sollte - hielt er sich jedoch lieber heraus. Das geht unter anderem aus den von der Internetplattform WikiLeaks veröffentlichten US-Botschaftsdepeschen hervor.

Unterstützung für Mubarak

Als die Anti-Mubarak-Proteste im vergangenen Februar immer größer wurden, entschied sich das Militär, den Präsidenten in den Ruhestand zu schicken. Der Militärrat übernahm die Macht. Als dessen Vorsitzender trifft der 76-jährige Tantawi seither alle wichtigen Entscheidungen. Seine öffentlichen Auftritte sind selten. Meistens schickt er einen Sprecher.

Nur einmal musste Tantawi selbst aussagen, im September im Prozess gegen Mubarak. Und bis zuletzt hielt er seinem Förderer die Stange. So habe es nie einen Schießbefehl von Mubarak gegen die Demonstranten gegeben, erklärte Tantawi. „Wir wurden nicht beauftragt, auf das Volk zu schießen und werden das auch nie machen“, zitierte ihn die staatliche Nachrichtenagentur MENA.

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