Medwedew tobt wegen russischer Raumfahrtpannen

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Nach einer beispiellosen Pannenserie in der russischen Raumfahrt hat Kreml-Chef Dimitri Medwedew den Schuldigen mit drastischen Worten eine Bestrafung angedroht. Unter Sowjetdiktator Stalin wären die Verantwortlichen kurzerhand hingerichtet worden, so Medwedew in seiner Vorstadtresidenz Gorki. „Ich schlage (aber) nicht vor, sie wie bei Josef Wissarionowitsch an die Wand zu stellen.“

Misserfolge wie die jüngste Mars-Mond-Mission „Phobos-Grunt“ beeinträchtigten Russlands Konkurrenzfähigkeit. „Die Schuldigen müssen finanziell oder juristisch zur Verantwortung gezogen werden“, forderte der Präsident nach Angaben der Agentur Interfax.

Letzte Rettungsversuche für Raumsonde

Im Ringen um eine mögliche Rettung der fehlgeleiteten Raumsonde „Phobos-Grunt“ musste Russland unterdessen einen weiteren Rückschlag hinnehmen. Der Europäischen Raumfahrtbehörde ESA sei es erneut misslungen, Kontakt zu dem 120 Millionen Euro teuren und 13,5 Tonnen schweren Messapparat in der Erdumlaufbahn aufzunehmen, hieß es heute in der Moskauer ESA-Vertretung.

Die Raumfahrtnation Russland hatte neben dem Debakel mit „Phobos-Grunt“ in diesem Jahr bereits ungewöhnlich viele Fehlstarts verschmerzen müssen. Nach Berichten von Moskauer Medien hat Roskosmos die vor knapp drei Wochen gestartete Raumsonde praktisch aufgegeben und strebt ihren kontrollierten Absturz an. Der Apparat sollte Bodenproben vom Mars-Mond Phobos zur Erde bringen, kam aber wegen Triebwerksproblemen nicht über die Erdumlaufbahn hinaus.