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Wachstum 2011 höher als erwartet

Der wirtschaftliche Ausblick für Österreich verspricht wenig Gutes. Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) sieht für Österreichs Wirtschaft 2012 nur noch ein Wachstum von 0,6 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP). Vor wenigen Monaten hatte die OECD noch mit einem Wachstum von über zwei Prozent gerechnet.

Die neuen Berechnungen bedeuten einen Einbruch des Zuwachses um mehr als vier Fünftel, denn für 2011 berechnet die OECD 3,2 Prozent Wachstum, heißt es in dem jüngsten, Anfang letzter Woche in Paris veröffentlichten Wirtschaftsausblick der OECD. Das Wachstum für 2011 ist dafür besser als noch im Frühjahr angenommen.

Die Prognose für das laufende Jahr wurde verglichen zum Mai-Vorausblick um 0,3 Prozent erhöht. Damals hatte die OECD für 2012 auch noch ein Wachstum von 2,1 Prozent gesehen, diese Erwartung musste nunmehr um 1,5 Prozent nach unten verschoben werden.

Defizit sinkt kaum

Das Haushaltsdefizit gemessen am BIP dürfte hingegen nur schwach sinken. So sieht die OECD für 2011 noch ein Minus von 3,4 Prozent des BIP, 2012 sollen es immer noch minus 3,2 Prozent sein. Die Arbeitslosenquote lag 2010 bei 4,4 Prozent, heuer dürfte sie laut OECD auf 4,2 Prozent fallen, 2012 soll sie wieder geringfügig auf 4,4 Prozent steigen. Die Mai-Prognose, wonach die Arbeitslosigkeit im kommenden Jahr sinken solle, ist damit nicht haltbar.

2013 soll sich die heimische Wirtschaft dann wieder erholen. Das Wirtschaftswachstum soll auf plus 1,8 Prozent steigen, die Arbeitslosigkeit mit 4,4 Prozent stabil bleiben. Für die OECD sieht es derzeit danach aus, dass dann das Budgetdefizit auf 3,1 Prozent gemessen am BIP fällt.

Umsetzung der Schuldenbremse gefordert

Umso mehr fordert die OECD Österreich auf, die innenpolitisch heftig diskutierte Schuldenbremse „rasch“ umzusetzen. Ziel sei die „Stärkung des Vertrauens in die mittelfristige Tragfähigkeit der öffentlichen Finanzen“, so die Organisation. Außerdem regt die OECD an, die Sozialversicherungsbeiträge für gering qualifizierte Menschen zu senken. Diese seien „in einem Wirtschaftsabschwung ganz besonders anfällig“.

EZB soll eingreifen

Die OECD warnte vor einer internationalen Ausweitung der Schuldenkrise und forderte ein stärkeres Eingreifen der Europäischen Zentralbank (EZB). Ein „größeres negatives Ereignis“ in der Euro-Zone könnte „verheerende“ Auswirkungen für die Wirtschaft weltweit haben, mahnte die Organisation. Deshalb sollten sich die Verantwortlichen auf „das Schlimmste“ vorbereiten, und die EZB solle notfalls eingreifen. Für die gesamte Euro-Zone sieht die OECD eine „milde Rezession“. Dem Wirtschaftsausblick zufolge geht die OECD für 2012 von einem Wachstum von nur noch 0,2 Prozent in der Euro-Zone aus. Im Mai hatte sie noch zwei Prozent Wachstum vorhergesagt.

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