Roma-Lager in Turin angezündet

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Nach falschen Vergewaltigungsvorwürfen haben Unbekannte in Turin in einem Roma-Lager Feuer gelegt. Wie italienische Medien gestern berichteten, nahmen rund 500 Menschen im Viertel Vallette im Nordwesten Turins am Samstagabend an einem Protestzug gegen das nahe gelegene Roma-Lager teil. Dabei wurde während des Umzugs Feuer im Lager gelegt.

Zwei Baracken seien vollständig zerstört worden, hieß es. Verletzt wurde niemand, auch weil die „nomadi“ (Nomaden), wie Roma und Sinti in Italien auch genannt werden, das Lager schon vorher verlassen hatten: aufgeschreckt durch Protestplakate, wie die Behörden berichteten.

Video dazu in iptv.ORF.at

16-Jährige widerrief Vorwürfe

Eine 16-Jährige hatte sich in eine Notlüge geflüchtet, um ihre sexuelle Beziehung mit einem volljährigen Italiener vor ihrer Familie zu verbergen. Als ihr Bruder sie entblößt in einem Park ertappte, gab sie an, von zwei Insassen des Camps vergewaltigt worden zu sein. Später widerrief sie zwar, doch da stand das Roma-Lager bereits in Flammen. Die Polizei fahnde nach den Brandstiftern, hieß es.

Die in Italien lebenden Roma und Sinti standen schon mehrfach im Mittelpunkt politischer Diskussionen. Erst im vergangenen Jahr hatte der UNO-Menschenrechtsrat in Genf Italien kritisiert - unter anderem wegen Gewaltakten gegen Einwanderer und Minderheiten wie Roma und Sinti.