Baustopp für Amazonas-Kraftwerk aufgehoben

In Brasilien hat ein Gericht den im September verhängten Baustopp für das umstrittene Belo-Monte-Wasserkraftwerk im Amazonas-Gebiet aufgehoben. Es gebe keine juristischen Gründe, die Arbeiten am drittgrößten Wasserkraftwerk der Welt im Bundesstaat Para weiter zu blockieren, hieß es gestern zur Begründung der von Bundesrichter Carlos Eduardo Castro Martins getroffenen Entscheidung. Martins selbst hatte vor rund drei Monaten den Baustopp verfügt.

Damals hatte er der Klage eines Fischzuchtverbandes stattgegeben und „die Installierung von Häfen, Explosionen, den Bau von Dämmen, die Ausbaggerung von Kanälen“ sowie jede Arbeit, die den natürlichen Lauf des Xingu-Flusses beinträchtigen und Veränderungen bei der Fischpopulation bewirken könnte, untersagt. Das Konsortium Norte Energia S.A. (Nesa) und die Regierung baten den Richter daraufhin, seine Entscheidung zu überdenken.

Martins kam jetzt zu dem Schluss, dass bei den Bauarbeiten am Xingu-Fluss der Wasserlauf nicht verändert werde, es zudem keine große Abweichung der Fließgeschwindigkeit gebe und es somit auch keinen großen Einfluss auf den Lebensraum der begehrten Zierfische gebe. Auch werde der Verkehr der Fischerboote nicht blockiert. Allerdings räumte er ein, dass die Auswirkungen auf die Umwelt wohl erst nach Ende der Bauarbeiten analysiert werden könnten.

Auch Andritz beteiligt

Belo Monte, an dem auch der österreichische Anlagenbauer Andritz AG beteiligt ist, wäre mit einer Leistungskapazität von 11.233 Megawatt das drittgrößte Wasserkraftwerk der Welt, nach dem Drei-Schluchten-Staudamm in China und dem binationalen Itaipu-Werk an der Grenze Brasiliens zu Paraguay. Allerdings wird mit einer weitaus geringeren Durchschnittsleistung von 4.419 Megawatt gerechnet. Gegen das Projekt gibt es in Brasilien heftige Proteste von Umweltschützern. Einer der engagiertesten Kämpfer gegen das Vorhaben ist der aus Vorarlberg stammende Bischof Erwin Kräutler.

Die Regierung in Brasilia hält das rund 40 Kilometer von der Stadt Altamira entfernte Wasserkraftwerk für notwendig, um die Energieversorgung sicherzustellen. Kritiker befürchten dagegen, dass durch das Wasserkraftwerk zehntausende Menschen umgesiedelt werden müssen. Mehr als 500 Quadratkilometer Land müssen für die Staubecken überflutet werden