Themenüberblick

Für Irak 2012 „unruhiges Jahr“

Mit 31. Dezember hat offiziell der letzte US-Soldat den Irak verlassen. Das Land könnte nun zum Spielball seiner Nachbarländer werden, die eigene Interessen im Irak vertreten wollen. Besonders der Iran hat sich schon in den vergangenen Monaten um seinen Einfluss in dem einst verfeindeten Nachbarland Irak bemüht.

Dieser Artikel ist älter als ein Jahr.

Der zunächst geplante Verbleib einer kleineren Anzahl von US-Soldaten im Irak hatten die dem Iran nahestehenden religiösen Schiitenparteien in der irakischen Regierung zu verhindern gewusst. Sie hatten sich geweigert, Immunität für die Truppen zu garantieren. Der Nahostexperte der Stiftung Politik und Wissenschaft, Guido Steinberg, erwartet in einem Kommentar für den „Tagesspiegel“ ein „unruhiges Jahr 2012“ für den Irak.

Syriens Isolation hilft Iran

Die internationale Isolation in Syrien hilft Teheran darüber hinaus, an seiner Machtposition in der Region zu feilen. Denn mit Ausnahme des Iran steht das Regime von Baschar al-Assad weitgehend ohne internationale Unterstützung da. Selbst die Türkei und Saudi-Arabien wandten sich von Damaskus ab. Aber nicht zuletzt die finanzielle Unterstützung aus dem Iran für die syrische Militär- und Wirtschaftselite sicherte Assad bisher das Überleben.

Karte von Iran, Irak und Syrien

Graphi-Ogre/ORF.at (Montage)

Bleibt Assads Regime an der Macht, zählt der Iran zu den großen Gewinnern. Mit einer wichtiger werdenden Rolle im Irak könnte der Iran seinen Einfluss von Westafghanistan bis zum Mittelmeer im Libanon über die dem Iran nahestehende Hisbollah ausdehnen, so die Onlineplattform Stratfor.

Während der Iran und Syrien schon lange eine stabile Allianz bilden, knüpft Teheran zum Irak seit einigen Monaten engere Verbindungen - politisch und wirtschaftlich. Der Iran bekundete Bereitschaft, beim Wiederaufbau des Irak zu helfen. Dieser zeigte sich bereits erkenntlich - zumindest in seiner Haltung gegenüber Syrien. Die irakische Regierung unter Nuri al-Maliki stellte sich auf die Seite des Iran und sprach sich gegen einen Regimewechsel in Syrien aus.

Während sich die USA in den vergangenen Monaten sukzessive auf den Rückzug aus dem Irak vorbereiteten, näherte sich der irakische Ministerpräsident Maliki den Positionen des Iran an. Auch an den von der Arabischen Liga vor wenigen Wochen beschlossenen Sanktionen gegen Syrien beteiligte sich der Irak nicht.

„Iran braucht Hilfe des Irak“

Das sei auf den Einfluss des Iran zurückzuführen, ist der US-Nahostexperte David Pollock vom Institute for Near East Policy gegenüber der „Washington Post“ überzeugt: „Iran braucht die Hilfe des Irak, um seinen Verbündeten in Damaskus zu schützen.“ Umso enttäuschter zeigten sich dafür die USA über die Reaktion des Irak gegenüber Syrien.

Laut Pollock fürchtet die irakische Führung Kritik und negative Auswirkungen aus dem Iran und Syrien gegen Bürger und Politiker in Bagdad, sollte sie sich gegenüber Syrien feindlich gesinnt zeigen. Zudem ist der Irak an gewinnbringenden Handelsbeziehungen interessiert. Pollock: „Iran ist hinter den Kulissen sicher wichtig und die Iraker wissen, dass ihnen die Iraner über die Schultern schauen.“

Schiiten machten Maliki zum Premier

Der Iran unterhält enge Kontakte zu einigen politischen Parteien im Irak. Sein Einfluss war auch nicht unwesentlich bei der langwierigen Suche nach einer Regierung nach der Wahl im März 2010. Denn obwohl die säkulare Al-Irakija-Koalition von Ex-Premier Ijad Allawi die meisten Stimmen erhielt, waren zwei religiöse Schiiten-Parteien ausschlaggebend dafür, dass Maliki Premier wurde.

Irakische Premier Nuri Al-maliki mit Irans Außenminister Ali Akbar Salehy

APA/EPA/Iraqi Prime Minister Office

Maliki (rechts) im Gespräch mit dem iranischen Außenminister Ali Akbar Salehi

Die zwei Schiiten-Parteien, der proiranische „Oberste Islamische Rat“ und die Anhänger des antiwestlichen Predigers mit Residenz im Iran, Muktada al-Sadr, verbündeten sich mit Malikis schiitischer „Allianz für den Rechtsstaat“. Dieser ist nun umso abhängiger von Teheran. Die Regierung Maliki ist „vom konfessionellen Gegensatz zwischen Schiiten und Sunniten und Malikis Nähe zum Iran geprägt“, betont Nahost-Experte Steinberg.

Auch die im Irak agierenden Hisbollah-Brigaden mit Verbindungen zur libanesischen Hisbollah werden vom Iran aus unterstützt. Die USA werfen dem Iran vor, schiitische Milizen im Irak auszubilden und auszurüsten, um das Nachbarland zu destabilisieren. Teheran dementierte diese Vorwürfe stets.

Spannungen mit Saudi-Arabien

Einen wachsenden Einfluss des Iran würde vor allem das Risiko für Saudi-Arabien erhöhen. Eine Eskalation der zwischen den beiden Ländern schwelenden Spannungen stelle für den Irak eine zusätzliche Bedrohung dar, ist Steinberg überzeugt. Für das sunnitisch geprägte Saudi-Arabien ist Maliki ein Befehlsempfänger aus Teheran. Bisher unterstützte Saudi-Arabien sunnitische Gruppen im Irak nicht. Diese Zurückhaltung könnte es nun aufgeben, so Steinberg.

Drohpotenzial gegenüber dem Westen hat der Iran nicht nur aufgrund seines Atomprogramms. Stratfor bezeichnet die Möglichkeit des Iran, die Straße von Hormus als Handelsverbindung lahmzulegen, als „wirkliche nukleare Option“. Auf dem strategisch wichtigen Wasserweg zwischen der arabischen Halbinsel und dem Iran wird ein beträchtlicher Teil des weltweit benötigten Öls transportiert.

Links: