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4.500 US-Soldaten starben

Acht Jahre und rund neun Monate nach Beginn des Irak-Kriegs haben die letzten US-Kampftruppen das Land verlassen. Auf Livebildern des US-Senders CNN war zu sehen, wie der letzte Truppenkonvoi Sonntagfrüh die Grenze zum Nachbarland Kuwait überquerte.

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Schwere gepanzerte Fahrzeuge und Tieflader mit Panzern passierten die Grenzstation in der Wüste. Anschließend wurde das Grenztor geschlossen. Ein Armeesprecher bestätigte dem Sender, dass damit der Abzug der US-Truppen abgeschlossen sei.

Laut CNN verließen mit dem letzten Konvoi aus 110 Fahrzeugen 500 Soldaten aus Ford Hood in Texas den Irak. Sie seien in der Nähe von Nassirija rund 300 Kilometer südlich von Bagdad stationiert gewesen. Zunächst würden die Soldaten im US-Feldlager Virginia in Kuwait untergebracht, bevor es mit dem Flugzeug in die Heimat gehe, hieß es.

Fahrzeuge und Soldaten der US-Armee sammeln sich nachts zum Abzug

APA/EPA/Lucas Jackson

Der letzte Konvoi unterwegs nach Kuwait

126.000 Zivilisten getötet

Die USA waren am 20. März 2003 auf Befehl des damaligen Präsidenten George W. Bush in den Irak eingedrungen, um den damaligen Machthaber Saddam Hussein zu stürzen. Die angeblichen Massenvernichtungswaffen, einer der Hauptgründe Washingtons für den Krieg, wurden nie gefunden.

Laut „Huffington Post“ (Onlineausgabe) kostete der Einsatz den USA 800 Milliarden Dollar. In Spitzenzeiten standen bis zu 170.000 US-Soldaten in dem Land am Golf. In den vergangenen Monaten wurden 505 Stützpunkte geräumt. Etwa 4.500 Soldaten wurden getötet, mehr als 30.000 verletzt. Einige Schätzungen gehen von mehr als 126.000 getöteten Zivilisten aus, nach Angaben der UNO wurden 1,75 Millionen Iraker während des Konfliktes zu Flüchtlingen.

US-Soldaten mit Gepäck

APA/EPA/Lucas Jackson

Mit dem Abzug endete auch eine jahrelange riesige logistische Operation

Streit über Immunität

Präsident Barack Obama hatte bereits im Oktober den Abzug fast aller amerikanischen Soldaten bis zum Jahresende angekündigt. Obamas Regierung wollte ursprünglich mehrere Tausend US-Soldaten im Land lassen, um ein Gegengewicht zu den Streitkräften im benachbarten Iran zu bilden. Der Irak war jedoch nicht bereit, den amerikanischen Soldaten die geforderte Immunität vor Strafverfolgung zu gewähren.

Die USA verlassen ein Land, in dem die Aufständischen zwar geschwächt wurden, ihren Kampf aber fortsetzen. Mitte der Woche hatten mehrere Tausend Iraker den Abzug in der einst schwer umkämpften Region Falludscha gefeiert. Einige verbrannten US-Flaggen und zeigten Bilder toter Verwandter.

Lachende US-Soldaten

APA/EPA/Mario Tama

Erleichterung bei den letzten US-Soldaten, die noch ausharrten

US-Botschaft mit 16.000 Mitarbeitern

Diese Woche hatten der irakische Regierungschef Nuri al-Maliki und Obama darüber beraten, wie das Verhältnis der beiden Staaten nach dem Ende des Militäreinsatzes aussehen soll. Ab dem 1. Jänner würden die USA und der Irak eine „normale Beziehung“ zwischen souveränen Staaten führen, hatte Obama gesagt. Der Irak darf sich aber auch künftig weiter der Aufmerksamkeit der einstigen Besatzungsmacht sicher sein. So ist die US-Botschaft mit 16.000 Mitarbeitern die größte diplomatische Vertretung Washingtons auf der Welt.

Auch aus finanzieller Sicht haben die USA vorgesorgt: Allein für das Jahr 2012 sollen sechs Milliarden US-Dollar in den Irak fließen. Der „New York Times“ zufolge plant die Regierung nun auch eine Verstärkung ihrer militärischen Präsenz in anderen Ländern der Golfregion, um für einen Sicherheitskollaps im Irak oder eine mögliche militärischen Konfrontation mit dem Iran gewappnet zu sein.

„Schrecklicher Preis“

Obama löste mit der Beendigung des Kriegs weniger als ein Jahr vor der nächsten Präsidentschaftswahl eines seiner zentralen Wahlversprechen von 2008 ein. Doch die Bilanz des Irak-Einsatzes muss für die USA insgesamt zwiespältig ausfallen.

Die „Neue Zürcher Zeitung“ kommt in einem Kommentar zum Schluss, dass die USA an Macht verloren hat. Der Krieg habe sich für die USA - nüchtern betrachtet - nicht bezahlt gemacht, da er das Land nicht nur „finanziell ausgeblutet und auch militärisch geschwächt“ habe: „Der Folterskandal in Abu Ghraib diskreditierte die USA moralisch. Der erhoffte Dominoeffekt einer irakischen Demokratie für die Region blieb bisher aus.“ Zwar würden die USA weiter die größte Militärmacht der Welt bleiben, könnten allein aufgrund der finanziellen Probleme aber „nicht mehr wie eine solche Macht auftreten“.

Auch die „Los Angeles Times“ kommt zu einem ähnlichen Ergebnis: Der unerwartet „brutale und lange Krieg“ habe „den Ruf der USA beschädigt“ und habe auf irakischer wie US-amerikanischer Seite einen „schrecklichen Preis“ gefordert.

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