Pakistans Regierungschef entließ Topmilitärbeamten

Der pakistanische Ministerpräsident Yousuf Raza Gilani hat den höchsten Beamten im Verteidigungsministerium des Landes entlassen, den ehemaligen Generalleutnant Khalid Lodhi.

Die pakistanischen Medien, die davon berichteten, nannten zunächst keine Gründe für den Schritt. Er könnte aber die Beziehungen zwischen der Regierung und dem mächtigen Militär in Pakistan weiter verschlechtern, hieß es.

Zuvor hatte es geheißen, es zirkuliere ein Schreiben in Regierungskreisen, in dem Pakistan die USA um Hilfe bei der Disziplinierung seiner Generäle bitte. Die Spannungen zwischen Regierung und Armee seien „sehr ernst“, sagte ein hochrangiger Militär gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters. Zuletzt war in Pakistan auch über eine möglich Rückkehr des durch einen Armeeputsch an die Macht gekommenen Präsidenten Pervez Musharraf spekuliert worden.

Wieder Angriffe mit US-Drohnen

Nach zwei Monaten Unterbrechung nahmen die USA unterdessen ihre Drohnenangriffe in den pakistanischen Stammesgebieten wieder auf. Bei zwei Angriffen kamen gestern Nacht vier Aufständische in Nordwaziristan an der Grenze zu Afghanistan ums Leben, wie Sicherheitsbeamte mitteilten. Es war der erste Drohnenangriff in Pakistan seit dem 17. November.

Die USA hatten die Drohnenangriffe Ende November ausgesetzt, nachdem bei einem NATO-Angriff 24 pakistanische Soldaten getötet worden waren. Die Unterbrechung sollte dazu dienen, die ohnehin angespannten Beziehungen zu Pakistan nicht weiter zu belasten.

Eine Untersuchung von USA und NATO hatte im vergangenen Monat ergeben, dass eine Vielzahl von Fehlern und mangelnder Kommunikation zum Tod der Soldaten geführt hatte. Pakistan weist das zurück und spricht von einem absichtlichen Angriff.

Zusehends antiamerikanische Stimmung

Durch den seit 2004 laufenden Drohneneinsatz sollen in den pakistanischen Stammesgebieten bereits Dutzende ranghohe Mitglieder des Terrornetzwerks Al-Kaida sowie Hunderte Kämpfer getötet worden sein. In Pakistan wird der Einsatz kritisch gesehen, in der Bevölkerung führt er zunehmend zu antiamerikanischer Stimmung. Die Beziehungen zwischen den USA und Pakistan hatten sich nach der Tötung von Al-Kaida-Chef Osama bin Laden durch ein US-Kommando in Pakistan merklich verschlechtert.