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Tausende Kinder betroffen

Eine „Kopfnicksyndrom“ genannte Erkrankung breitet sich weiter im ostafrikanischen Uganda aus. Mehr als 3.000 Kinder und Jugendliche leiden bereits unter der Epilepsie-ähnlichen Krankheit. Über 100 Patienten sollen laut lokalen Medienberichten gestorben sein. Die Experten stehen vor einem Rätsel.

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Nun wollen die ugandischen Behörden zusammen mit der Weltgesundheitsorganisation (WHO) versuchen, die weitere Ausbreitung des Leidens zu verhindern. Ein Expertenteam der Regierung war in der vergangenen Woche in die betroffenen Gebiete im Norden des Landes entsandt worden. Es konnte aber trotz eingehender Untersuchungen nicht klären, wodurch das Syndrom ausgelöst wird.

Ständiges Zittern und Ohnmachtsanfälle

Die Krankheit sei vergleichbar mit Epilepsie, jedoch gebe es auch Ähnlichkeiten zur Flussblindheit, sagte Solomon Fisseha von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) in Kampala. Die Hände der Patienten zitterten ständig, der Kopf beginne zu nicken, und schließlich fielen die Betroffenen in Ohnmacht. Auch Schwächegefühl und geistige Unterentwicklung gehörten zu den Symptomen.

Bei den Erkrankten handelt es sich hauptsächlich um Kinder und Jugendliche zwischen fünf und 15 Jahren, die im Norden Ugandas leben. „Wir können nicht mit Sicherheit sagen, dass die Krankheit wirklich zum Tod führt, aber die Patienten sterben auf jeden Fall früher als gesunde Erwachsene“, sagte Fisseha. Jedoch sei das Leiden nicht ansteckend.

Nicht genügend Krankenhäuser

Das Gesundheitsministerium will der Sache nun auf den Grund gehen und hat eingehende Untersuchungen eingeleitet. „Wir bilden Sozialarbeiter aus und verteilen Medikamente, um die Symptome zu lindern“, sagte die Sprecherin des Gesundheitsministeriums, Rukia Nakamatte, am Donnerstag der Nachrichtenagentur dpa. „Die Regierung stellt gerade einen Plan zusammen, der nicht nur weitere Forschung, sondern auch die Behandlung der Kranken und Präventionsmöglichkeiten - wie etwa die Zufuhr von Nährstoffen - beinhaltet.“

Durch die Verabreichung gesunder Zusatznahrung können die Symptome offenbar in bestimmten Fällen unter Kontrolle gebracht werden. Zudem verteilt das Ministerium ein Schilddrüsenmedikament (Carbimazol), das ebenfalls zur Linderung beiträgt. „Das ist eine chronische Krankheit, die nicht schnell geheilt werden kann“, sagte der Arzt Lawrence Ojom. Die meisten Betroffenen leben weiter in ihren Heimatdörfern, da es nicht genügend Krankenhäuser gibt, um die Patienten aufzunehmen.

Giftige Kampfstoffe?

Was die Krankheit auslöst, ist weiterhin unklar. „Sie wurde erstmals in den 1960er Jahren in Tansania beobachtet und ab dem Jahr 2000 auch im Südsudan und in Westuganda“, sagte Fisseha. Eine mögliche Ursache könnte Mangelernährung sein, jedoch gebe es auch dafür noch keinen endgültigen Beweis.

Medien berichteten, es werde nicht ausgeschlossen, dass die Krankheit auf giftige Substanzen zurückzuführen ist, mit denen die Rebellen der Widerstandsarmee des Herrn (Lord’s Resistance Army/LRA) die Regierung in Kampala bekämpft haben könnte. Die Gruppe hatte in ihrem blutigen Kampf seit 1987 Zehntausende Menschen getötet, vergewaltigt, verstümmelt und gefoltert. Die LRA kämpfte in Norduganda ein Vierteljahrhundert lang für einen christlichen Gottesstaat.

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