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Ugandas Konflikt mit der LRA

Seit mehr als 25 Jahren morden die Rebellen der Widerstandsarmee des Herrn (Lord’s Resistance Army, LRA) in Uganda. Tausende Kindersoldaten litten in den Fängen der christlichen Gotteskrieger. Nun hoffen Regierung und Militärführung, die Gruppe mit Hilfe der USA zu besiegen.

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Experten sind jedoch skeptisch, was diese Hoffnung angeht. Die LRA sei gut genug organisiert, um sogar den Tod ihres fanatischen Anführers Joseph Kony zu überstehen, meinen sie. „Wir treten den letzten Kampf gegen die LRA an“, sagte der ugandische Militärsprecher Oberst Felix Kulayigye der Nachrichtenagentur dpa.

Durch die US-Hilfe wurde die Schlagkraft aus der Luft verbessert, dadurch könne man den Rebellen besser beikommen. Auch sei es leichter, Verpflegung für die Truppen in das unwegsame Dschungelgebiet zu transportieren, in dem sich die LRA-Kämpfer in zehn bis 20 Mann starken Trupps aufhielten, so Kulayigye. „Kony wird bald getötet werden“, meinte der Militärsprecher.

Kampf für christlichen Gottesstaat

Seit einem Vierteljahrhundert terrorisiert die LRA den Norden Ugandas, den heutigen Staat Südsudan und den Nordosten der Demokratischen Republik Kongo. Eine direkte Konfrontation mit dem Militär haben die Rebellen bisher vermieden. Mehr als zwei Millionen Menschen in Ost- und Zentralafrika flüchteten seit Mitte der 80er Jahre vor den Schlächtern der LRA.

Die Rebellen haben Tausende Menschen ermordet, vergewaltigt, verstümmelt oder entführt. Die LRA kämpft seit 1987 für einen christlichen Gottesstaat. Besonders berüchtigt ist die Gruppe für die Zwangsrekrutierung von Kindern. Tausende männliche Kindersoldaten werden gezwungen, für die bizarre, christliche, mit afrikanischem Mystizismus verbrämte Ideologie Konys zu kämpfen. Mädchen erwartet ein ebenso grausames Schicksal. Sie werden als Sexsklavinnen für die Rebellen missbraucht.

Jagd auf Führung der Terrorgruppe

Kony, der sich selbst als „Sprecher Gottes“ bezeichnet, und vier andere LRA-Anführer werden seit 2005 vom Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit gesucht. Die USA haben die LRA zu einer Terrorgruppe erklärt, und im Oktober entsandte US-Präsident Barack Obama 100 Militärberater nach Uganda. Sie sollen helfen, die dortigen Streitkräfte für den Kampf gegen die Rebellen auszubilden.

Uganda sei in diesem Kampf sehr hartnäckig und brauche Unterstützung, sagte Margaret Woodward, die Kommandantin der US-Luftwaffe in Afrika, vor kurzem bei einem Besuch in dem Land. „Ich bin optimistisch, dass sie bald gewinnen werden“, so Woodward.

Angriffe gehen weiter

Nach Rückschlägen in Uganda hat sich nach Regierungsangaben ein harter Kern von etwa 250 verbleibenden LRA-Rebellen in die Zentralafrikanische Republik zurückgezogen. Ihre Angriffe gehen weiter. Die Rebellen berauben und töten Zivilisten und machen ihre Dörfer oft dem Erdboden gleich.

Doch Beobachter wollen den Ankündigungen vom Ende der LRA kaum Glauben schenken. „Die LRA kann nicht so leicht besiegt werden“, meinte der Historiker Mwambtsya Ndebesa. Die gut organisierte Führungsstruktur der LRA könne den Tod Konys überstehen. „Sie können sich neu formieren und den Kampf fortsetzen“, so der Historiker.

Auch gibt es Skepsis über die Absichten Washingtons in diesem Konflikt. Die USA wollten nur sicherstellen, dass der Sudan die LRA nicht benutzen könne, um den gerade erst unabhängig gewordenen Südsudan zu destabilisieren, sagte der Politikwissenschaftler Sabiiti Makara.

Henry Wasswa, dpa

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