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Nur Deutschland nicht betroffen

Mit einer beispiellosen Aktion hat die US-Ratingagentur S&P am Freitag nahezu alle Länder der Euro-Zone abgestraft. Nur Deutschland kann sich von den führenden Euro-Ländern noch mit einem positiven Ausblick und neben den Niederlanden, Finnland und Luxemburg mit einem S&P-Toprating zieren. Aus dem exklusiven „AAA“-Klub ausgeschieden ist neben Frankreich unterdessen auch Österreich.

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Die Aktion von Standard & Poor’s (S&P) kommt dabei einem Rundumschlag gegen die Euro-Zone gleich. Insgesamt wurden neun Euro-Länder von der US-Ratingagentur herabgestuft. Nachdem bereits die Abstufung von Frankreich auf „AA+“ offiziell geworden war, bestätigte S&P am späten Freitagabend auch, dass Österreich nur mehr mit der zweitbesten Note bewertet werde.

Nur mehr 13 „AAA“-Staaten

Nachdem Frankreich und Österreich ihr Triple-A der Ratingagentur S&P verloren haben, wird es weltweit nur mehr 13 Staaten geben, die bei allen drei großen Ratingagenturen - also auch Moody’s und Fitch - die Bestnote halten. Neun von ihnen sind in Europa. Außerhalb Europas gehören Australien, Hong Kong, Kanada und Singapur zu dem exklusiven Klub.

Die Bonität von Italien, Spanien, Portugal und Zypern ging gleich um zwei Stufen in den Keller. Malta, die Slowakei und Slowenien büßten eine Stufe ein. Für weitere Euro-Länder wurde zudem der Ausblick auf „negativ“ gesenkt. Neben dem nach wie vor mit der Note „AAA“ bewerteten Deutschland ortet S&P lediglich noch bei der Slowakei einen „stabilen“ Ausblick. Für die die restlichen Euro-Länder gebe es hingegen eine eins-zu-drei-Chance, in diesem bzw. dem kommenden Jahr heruntergestuft zu werden.

S&P-Kritik an Europas Krisenmanagement

Als Grund für die drastische Maßnahme gab S&P an, dass die bisherigen politischen Maßnahmen unzureichend seien, um die anhaltenden Spannungen in der Euro-Zone wie etwa schwaches Wachstum zu beseitigen. Europas Politiker hätten demnach nicht genug getan, um die Schuldenkrise einzudämmen. Die Benoter zeigten sich enttäuscht von den Ergebnissen des Euro-Gipfels im Dezember. Die Kreditkonditionen verschlechterten sich genauso wie die wirtschaftlichen Aussichten, so die Ratingagentur. Europas Politiker seien sich noch immer uneins, wie die Krise zu lösen sei.

S&P stellte bereits im Dezember fast die gesamte Euro-Zone - darunter auch Deutschland - unter „verschärfte Beobachtung“. Eine Veröffentlichung neuer Ratings war deshalb für dieses Jahr erwartet worden.

In der Abstufung Österreichs würden sich laut S&P nun die Auswirkungen „vertiefender politischer, externer und monetärer Probleme innerhalb der EU und der Euro-Zone“ widerspiegeln, „in die Österreich eng eingebunden ist“, wie die Ratingagentur in der Begründung ihrer Vorgangsweise angab. Der Ausblick wird auf negativ gesetzt: „Das weist darauf hin, dass für eine weitere Herabstufung des Ratings in 2012 oder 2013 eine Wahrscheinlichkeit von mindestens einem Drittel besteht“.

„Keine Katastrophe“

Finanzministerin Maria Fekter (ÖVP) nannte in einer ersten Reaktion die wirtschaftliche Lage in Italien und Ungarn als Hauptgründe der Herabstufung und sprach von einer „Gelben Karte“. Gleichzeitig warnte die Finanzministerin vor einer weiteren Herabstufung, sollte Österreichs Schuldenstand weiter steigen.

Nach den Worten von Frankreichs Finanzminister Francois Baroin sei man von der bevorstehenden Herabstufung bereits von S&P gewarnt worden. Laut Baroin handle es sich um keine Katastrophe, da „AA+“ immer noch ein gutes Rating sei. Die Herabstufung bedeute aber, dass Frankreich seine Reformen ausweiten müsse. Es werde allerdings kein neues Sparpaket geben. Mit Blick auf die sich abzeichnende Herabstufung wurden Freitagabend von Präsident Nicolas Sarkozy zuvor Baroin, Regierungschef Francois Fillon und Haushaltsministerin Valerie Pecresse zu einem Krisentreffen in den Elysee-Palast geladen.

Italien auf einer Stufe mit Irland

Besonders getroffen hat es erneut Euro-Sorgenkind Italien. Das Land wird seit Freitag von S&P bei der langfristigen Bonität nur mehr mit der Note „BBB+“ statt „A“ bewertet. Damit steht Italien auf einer Stufe mit Irland und außerhalb der Euro-Zone mit Peru und Russland. S&P hatte Italien erst im vergangenen September von „A+“ auf „A“ herabgestuft. Spaniens Rating wurde unterdessen von „AA-“ auf „A“ gesenkt.

Rehn bedauert Herabstufung

EU-Währungskommissar Olli Rehn kritisierte die Herabstufung scharf. Er bedauere „die heutige, ungereimte Entscheidung von S&P in einer Zeit, wo die Euro-Zone entscheidend an allen Fronten der Krisenbewältigung handelt“, wie Rehn in einer Aussendung sagte.

Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel drängte am Samstag zu einer raschen Umsetzung des Fiskalpakts in der EU. Die Staaten seien jetzt aufgefordert, den Pakt schnell umzusetzen „und ihn nicht an allen Ecken und Enden wieder aufzuweichen“, sagte Merkel.

„Schon ernst zu nehmen“

Laut dem Gouverneur der Österreichischen Nationalbank, Ewald Nowotny, sei die Herabstufung „schon ernst zu nehmen“. Durch diese Aktion könne die positive Entwicklung der letzten Wochen durchaus gestört werden, so Nowotny, der in der ZIB2 zudem S&P eine politisch motivierte Vorgangsweise vorwarf. Die führenden Analysten der heimischen Banken zeigten sich dennoch gelassen.

Betont wurde demnach, dass keine dramatischen Auswirkungen auf den Finanzmärkten erwartet würden. Bank-Austria-Chefökonom Stefan Bruckbauer rief zur Besonnenheit auf. Österreich bleibe weiter eines der wohlhabendsten Länder Europas, schon jetzt fielen höhere Zinsen als in Deutschland an, daran werde sich auch am Montag, wenn die Märkte öffnen, wenig ändern.

Der oberste Analyst der Erste Bank, Friedrich Mostboeck, sagte mit Blick auf die anderen beiden Ratingagenturen, Fitch und Moody’s, die Österreich bisher noch als Triple-A-Land sehen: „Es steht 2 zu 1 für Österreich.“ Gefordert sei nun dennoch die Politik. Peter Brezinschek, Chefanalyst der Raiffeisen-Banken-Gruppe, wertete in diesem Zusammenhang die Herabstufung als „einen Hinweis für die österreichische Politik, das Budget zu sanieren und sich durch ausgabenseitige Maßnahmen das ‚AAA‘ wieder zu erarbeiten.“

„Aussterbende Spezies“

Der Chefvolkswirt der deutschen Commerzbank, Jörg Krämer, gab zudem zu bedenken, dass die Bonitätsherabstufung zwar kurzfristig die Märkte irritieren könnte, in einer Welt, in der auch die USA und Japan nicht mehr über das Spitzenrating „AAA“ verfügten, allerdings kein großes Problem sei. „Dreifach-A ist ohnehin eine aussterbende Spezies“, sagte er.

Erste Gerüchte über die bevorstehende Abstufungen lösten am Freitagnachmittag an den europäischen Börsen zunächst einen Kursrutsch aus. Bis zum Börsenschluss beruhigte sich die Lage aber wieder etwas. Der deutsche Leitindex Dax schloss 0,58 Prozent tiefer bei 6.143,08 Punkten. Der ATX in Wien beendete die Handelswoche mit einem leichten Plus von 0,44 Prozent. Im Anschluss beendete auch der Dow Jones den Handelstag mit einem Minus von 0,39 Prozent.

Fitch und Moody’s warten ab

Die Ratingagentur Fitch, die mehrheitlich in französischer Hand ist, hatte noch am Dienstag angekündigt, Frankreich werde 2012 sein „AAA“-Rating behalten. Wenn es in der Euro-Krise keine dramatische Entwicklung gebe, werde Fitch Frankreich erst 2013 neu bewerten, sagte eine Sprecherin. Alarm schlug Fitch allerdings bei Italien, das gegen eine massive Staatsverschuldung kämpft. Die dritte Ratingagentur Moody’s will im ersten Quartal eine Entscheidung über die Kreditwürdigkeit der EU-Länder bekanntgeben.

Kritik an Ratingagenturen

Die Bewertungen der Ratingagenturen sind umstritten. Ihnen wird vorgeworfen, die Finanzkrise 2008 mit verursacht zu haben, weil sie Bestnoten für Wertpapiere vergaben, in denen faule US-Immobilienkredite gebündelt waren. Damit führten sie, so einer der Vorwürfe, Anleger in die Irre. In Europa wird zudem kritisiert, dass die drei profitorientierten US-Unternehmen S&P, Moody’s und Fitch den Markt dominieren und in der Regel ausgerechnet von denen, die sie bewerten, auch bezahlt werden. Zuletzt mehrten sich zudem die Forderungen nach einer unabhängigen europäischen Ratingagentur.

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