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Kreuzfahrtriese taumelt

Die Havarie des Kreuzfahrtschiffs „Costa Concordia“ kostet den weltweit drittgrößten Rückversicherer Hannover Rück mindestens zehn Millionen Euro. „Wir gehen derzeit davon aus, dass es sich um einen Großschaden handelt“, sagte eine Unternehmenssprecherin am Montag. Die Verluste für den Schiffseigner liegen weit höher.

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Der Schiffseigner Carnival, das Mutterunternehmen der „Costa“-Reederei, bleibt nach eigenen Angaben auf einem Schaden von 85 bis 95 Millionen Dollar (bis zu 74,4 Mio. Euro) sitzen, weil die vor der italienischen Küste gesunkene „Costa Concordia“ voraussichtlich das ganze Jahr nicht einsetzbar sein werde. Das Schiff ist nach Angaben des Eigentümers mit einem Selbstbehalt von 30 Millionen Dollar versichert.

Aktien von Reederei brechen weg

Eine genaue Einschätzung, wie sehr die Hannover Rück noch in die Pflicht genommen werden könnte, traute sich das Unternehmen nach eigenen Angaben am Montag noch nicht zu. Beim Konkurrenten Munich Re hieß es am Montag überhaupt, man wisse derzeit noch nicht, ob man betroffen sei. Das Schiffsunglück belastete zu Beginn der Börsenwoche die ohnehin unter Druck stehenden Werte der Versicherer zusätzlich.

Am deutlichsten abgestraft wurden aber die Papiere der Reederei Carnival. Die in London gehandelten Aktien des US-Kreuzfahrtkonzerns fielen am Montag in der Spitze um knapp 29 Prozent auf ein Zweieinhalbjahrestief. Dabei wechselten binnen der ersten Handelsstunde fast viermal so viele Aktien den Besitzer wie an einem gesamten Durchschnittstag.

Enorme Folgeschäden möglich

Die Schäden aus dem Unglück für die Reederei sind noch in keiner Weise abzuschätzen. Neben Forderungen von Passagieren und Angehörigen von Getöteten muss der Eigentümer auch für die Kosten der Sicherung und Bergung des Schiffs aufkommen, falls diese überhaupt möglich sein sollte. Auch eine mögliche Umweltverseuchung durch die 2.400 Tonnen Dieselöl in den Tanks des Schiffs würde die Reederei finanziell treffen.

Zuletzt auf vollem Expansionskurs

Auf dem boomenden Kreuzfahrtmarkt war der italienische Anbieter und europäische Marktführer Costa Crociere zuletzt deutlich auf Wachstumskurs. Mit der havarierten „Costa Concordia“ hatte das Unternehmen bisher eine Flotte von 15 Kreuzfahrtschiffen mit einer Kapazität für etwa 40.800 Passagiere. In diesem Jahr soll ein weiteres hinzukommen, so dass die Kapazität auf 45.000 Passagiere steigt.

Die Reederei beschäftigt 18.000 Menschen auf ihren Schiffen und noch einmal 1.000 an Land. Zur Costa Crociere S.p.A. mit Sitz in Genua gehören auch Aida Kreuzfahrten (Deutschland) und die spanische Iberocruceros. Gemeinsam verfügen sie nach Unternehmensangaben über 26 Schiffe, vier weitere seien im Bau. Seit dem Jahr 2000 gehört das Unternehmen zum Weltmarktführer Carnival Corporation. Für ihn fährt auch die britische Cunard Line („Queen Mary 2“).

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