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2.400 Tonnen Diesel in den Tanks

Nach dem Kreuzfahrtunglück vor der Küste der Toskana will die italienische Regierung den Notstand in dem von der Katastrophe betroffenen Gebiet ausrufen. Dadurch soll schnelle Hilfe ermöglicht und Geld zur Verfügung gestellt werden, berichtete Umweltminister Corrado Clini.

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Der Notstand soll bei der nächsten Ministerratssitzung in den nächsten Tagen ausgerufen werden. In den Schiffstanks befinden sich fast 2.400 Tonnen Treibstoff. „Wir planen Maßnahmen zur Eindämmung der Gefahr, dass Dieselöl aus dem Tank des Schiffs läuft. Wir rennen gegen die Zeit. Wir müssen verhindern, dass Öl ins Meer läuft“, so der Minister.

„Desaster" und Alptraum“

Hubschrauber der italienischen Küstenwache hätten einige Ölflecke rund um das Wrack gesichtet. Sollte sich der Treibstoff auf dem Meeresgrund absetzen, käme das einem „Desaster“ gleich. Im schlimmsten Fall könne tonnenweise Öl ins Meer fließen und so eine „außergewöhnliche Küstenlandschaft“ verseuchen und Meerestiere und Vögel an der toskanischen Küste gefährden.

Die „Costa Concordia“ habe riesige mit schwerem Dieseltreibstoff gefüllte Tanks, sagte er der Zeitung „La Stampa“ (Montag-Ausgabe) und sprach von einem „Alptraum“. Sobald wie möglich solle zunächst der Treibstoff aus dem auf die Seite gekippten Schiff abgepumpt werden. Die schiefe Lage des Wracks erschwere das allerdings. Zudem habe die Suche nach Vermissten vorerst oberste Priorität.

Wie das 290 Meter lange Wrack in Sicherheit gebracht werden soll, sei noch unklar. Die Reederei Costa Crociere überlegt unter anderem eine Bergungsaktion mittels riesiger Luftballons, die das zur Seite geneigte Schiff wieder aufstellen sollen. Auch eine Zerlegung des Schiffs schloss Costa Crociere nicht aus.

Ermittlungen gegen weitere Offiziere

Die Staatsanwaltschaft der toskanischen Stadt Grosseto nahm indes Ermittlungen gegen weitere drei Offiziere der „Costa Concordia“ auf. Ihnen wird Mitverantwortung bei der Schiffskatastrophe vorgeworfen, bei der mindestens sechs Personen ums Leben gekommen sind.

Die Offiziere werden außerdem verdächtigt, wie Kapitän Francesco Schettino das Schiff verlassen zu haben, als sich noch viele Passagiere an Bord der „Costa Concordia“ befanden. Kapitän Schettino und sein erster Offizier, Ciro Ambrosio, wurden am Samstag wegen Fluchtgefahr festgenommen. Beiden wird schweres Fehlverhalten vorgeworfen.

Anwalt sieht Kapitän als Retter

„Der Kapitän ist bestürzt, konsterniert und erschüttert. Sein Trost ist, dass er in dieser schwierigen Situation ruhig geblieben ist, um das Schiff bis zu einem Punkt zu führen, an dem der Meeresboden niedriger war. Somit konnte er viele Menschenleben retten“, berichtete Schettinos Rechtsanwalt Bruno Leporatti. Schettino stehe unter psychologischer Betreuung und unter ständiger Aufsicht.

Der Kapitän behauptete, er habe als letzter das Schiff verlassen. Dem widersprechen offenbar Hunderte Zeugen, darunter Passagiere und Mitglieder der Rettungsteams. Es stehe nach Vernehmungen fest, dass der Kapitän das Schiff verlassen habe, als sich noch viele Passagiere an Bord befanden, sagte der Oberstaatsanwalt der toskanischen Stadt Grosseto, Francesco Verusio.

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