Staatsstreich in Papua-Neuguinea

Ein pensionierter Oberst hat in Papua-Neuguinea nach eigenen Angaben die Macht über die Streitkräfte übernommen und fordert die Wiedereinsetzung des entlassenen Regierungschefs.

Binnen sieben Tagen müsse das Parlament Michael Somare wieder zum Premierminister machen, sagte Yaura Sasa heute bei einer Pressekonferenz in der Hauptstadt Port Moresby.

„Meine Aufgabe ist es, die Integrität und den Respekt für die Verfassung und Gerichtsbarkeit wiederherzustellen“, sagte Sasa.

Hauptquartier mit 20 Mann gestürmt

Rund 20 Männer hatten das Armeehauptquartier Murray Military Barracks in den frühen Morgenstunden gestürmt und Brigadegeneral Francis Agwi festgenommen. Die Soldaten würden die Phrase „Operation Schutz der Verfassung“ benutzen, hieß es von einheimischen Journalisten.

Der australische Rundfunk berichtete, Geschäfte in der Hauptstadt Port Moresby würden schließen, Beschäftigte nach Hause geschickt. Die Lage sei angespannt. Es gab aber keine Berichte über Gewaltakte.

Armeechef unter „Hausarrest“

Australien forderte in einer ersten Reaktion eine rasche Klärung des Konflikts. „Wir rufen dazu auf, die Situation so rasch wie möglich zu lösen und die Befehlskette der Streitkräfte Papua-Neuguineas wiederherzustellen“, hieß es heute vom australischen Außenministerium.

Ministerpräsident Peter O’Neill habe der früheren Kolonialmacht Australien versichert, dass man sich um eine Lösung bemühe. Ein australischer Diplomat habe mit dem abgesetzten Armeechef Agwi gesprochen, er befinde sich in „Hausarrest“.

Korrupt, aber rechtmäßig

Der 75-jährige Somare war während eines mehrmonatigen krankheitsbedingten Auslandsaufenthalts im vergangenen Jahr für abgesetzt erklärt worden. Das Parlament wählte den 46-jährigen O’Neill zu seinem Nachfolger. Nach seiner Rückkehr bestätigte der Oberste Gerichtshof des Pazifikstaates Somare als rechtmäßigen Ministerpräsidenten.

Viele Papuaner sahen bis zuletzt in O’Neill einen Hoffnungsschimmer. Die Regierung Somares galt als korrupt und den Interessen ausländischer Großinvestoren, vor allem aus China, verpflichtet.