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Schneefall auch in Nordafrika

Die enorme Kälte in Europa und die Schneemassen insbesondere in südlichen Ländern wie Serbien, aber auch Italien lässt die Zahl der Opfer immer weiter ansteigen. Europaweit stieg die Zahl der Kältetoten am Sonntag weiter und liegt mittlerweile bei über 280. Die Kältewelle erreichte mittlerweile sogar Nordafrika. In Algier gab es erstmals seit Jahren wieder heftigen Schneefall.

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Die meisten Opfer sind weiterhin in der Ukraine zu beklagen. Dort starben in der Nacht auf Sonntag erneut elf Menschen - damit sind dort mittlerweile 131 Todesopfer durch die Kältewelle zu beklagen. Die meisten Opfer waren Obdachlose. Mehr als 1.800 Menschen werden wegen Unterkühlung und Erfrierungen in Krankenhäusern behandelt. Beobachter gehen davon aus, dass die inoffizielle Zahl der Kältetoten deutlich höher ist.

Gefrorener Pier in Hafen von Odessa

Reuters

Der Hafen vor der ukrainischen Stadt Odessa

Todesopfer auch durch Brände

Trotz verstärkter Polizeipatrouillen starben in Polen in der Nacht auf Sonntag erneut acht Menschen. Seit Beginn der Kältewelle starben damit insgesamt bereits 53 Menschen. Hinzu kommen sechs Opfer, die an Kohlenmonoxidvergiftungen starben. In der Nacht zu Samstag kamen außerdem vier Obdachlose bei drei Bränden ums Leben. In Rumänien erhöhte sich die Zahl der Kälteopfer auf 28.

Russland nannte unterdessen erstmals offizielle Zahlen zu den Kälteopfern: Demnach erfroren im Jänner insgesamt 64 Menschen. Das teilte das Zivilschutzministerium in Moskau nach Angaben der Agentur ITAR-TASS mit. Am Samstag wurde gemeldet, dass eine Familie mit sieben Kindern beim Brand eines Wohnwaggons aus Holz starben. Offenbar wollte sich die Familie bei Temperaturen von minus 20 Grad an einem Ofen wärmen, als vermutlich Funken die Holzwände in Brand setzten.

Eiszapfen vor Fenster in Belgrad

AP

Belgrad bat die Einwohner um Hilfe bei der Schneeräumung

Belgrad bittet Einwohner um Hilfe

Zu enormem Verkehrschaos führte der heftige Schneefall in Belgrad und Rom. In der serbischen Hauptstadt wurden die Bürger aufgerufen, bei der Räumung zu helfen. Hunderte Menschen meldeten sich dafür Samstagfrüh. Gleichzeitig häuften sich auch die Beschwerden in Zeitungen und Fernsehsendern, dass die Behörden völlig unzureichend auf den Schnee vorbereitet und selbst die Transitstraßen unpassierbar waren.

Wegen des starken Schneefalls in der gesamten Region saßen die beiden Staatspräsidenten von Kroatien und Serbien, Ivo Josipovic und Boris Tadic, im Jahorinagebirge vor den Toren von Sarajevo fest, wie Medien in Belgrad berichteten. Serbien-weit wurde bereits in 27 Gemeinden der Ausnahmezustand ausgerufen. Alle Grund- und Mittelschulen sowie Kindergärten sollen wegen der Schneemassen in der nächsten Woche geschlossen bleiben.

Obdachloser in Notschlafstelle in Belgrad

AP/Marko Drobnjakovic

Obdachlose suchen Zuflucht in Notschlafstellen

Nach Lawinenabgang in Tunnel eingeschlossen

In Montenegro steckten 90 Menschen nach Lawinenabgängen in einem Tunnel fest. Armeeangehörige seien für den Rettungseinsatz abkommandiert worden. In der Nacht zum Samstag misslang der erste Versuch, zu den Eingeschlossenen durchzukommen. Erst Samstagmittag konnten die Behörden die mehr als 24 Stunden lang eingeschlossenen Menschen - darunter viele Kinder - befreien.

Nach der völlig ungewöhnlichen Kältewelle mit 30 Zentimetern Schnee an der südlichen kroatischen Adria ist in Dalmatien der Notstand ausgerufen worden. Das berichtete das staatliche Fernsehen HRT am Samstag in Zagreb. In der größten Hafenstadt Split brach der Verkehr zusammen. Rund 3.000 Menschen mussten im Hinterland ohne Strom auskommen. Auf der Brücke zwischen der Hafenstadt Rijeka und der Insel Krk wurden Orkanböen von 205 Kilometern in der Stunde gemessen.

Mehrere Kältetote im Baltikum

Auch im Baltikum hat die Kältewelle weiteren Menschen das Leben gekostet. Bei Temperaturen von unter -30 Grad sind in Litauen drei Menschen erfroren, berichtete das litauische Fernsehen am Samstagabend. Sieben weitere Menschen seien zudem mit Erfrierungen in Krankenhäuser gebracht worden.

In der Nacht auf Sonntag starb zudem ein Mensch bei einem Brand im estnischen Ostseebad Pärnu, meldete das Nachrichtenportal Delfi. Auch in weiteren Städten Estlands und in den anderen beiden baltischen Staaten Lettland und Litauen kam es am Wochenende zu zahlreichen Bränden. Dabei erlitten einige Menschen Brandverletzungen und Rauchvergiftungen. Defekte Heizanlagen und verunreinigte Schornsteine verursachten mehrere Brände.

Verkehrschaos in Rom

Völlig überfordert von den Schneefällen waren auch die Behörden in Rom. Italiens Hauptstadt erlebte die stärksten Schneefälle seit Jahrzehnten - es schneite überall zumindest zehn Zentimeter. Das reichte bereits, um ein Verkehrschaos auszulösen. In Italien starben bisher zehn Menschen aufgrund der Kälte.

Bahn in Schwierigkeiten

Die kälteste Februarnacht seit 30 Jahren in der Schweiz brachte selbst die sonst zuverlässige Schweizer Bahn am Samstag in Schwierigkeiten. Wegen vereister Weichen kam es unter anderem auf der Strecke zwischen Lausanne und dem Genfer Flughafen zu Verspätungen, berichtete die Nachrichtenagentur sda.

Temperaturen von bis minus 18 Grad legten in der Nacht zum Samstag auch den Zugverkehr in Teilen Belgiens lahm. Auch Verbindungen nach Deutschland und in die Niederlande waren betroffen.

Heathrow strich ein Drittel der Flüge

Großbritanniens größter Flughafen Heathrow hat wegen der angekündigten Schneefälle für Sonntag ein Drittel der Abflüge gestrichen. „Diese Entscheidung sichert, dass die Mehrzahl an Passagieren mit einem Minimum an Störung fliegen kann“, sagte der Flughafenchef von Heathrow, Normand Boivin, am Samstag.

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