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Polizisten besetzen TV-Sender

Nach wochenlangen Protesten und einer Meuterei der Polizei auf den Malediven hat Präsident Mohamed Nasheed seinen Rücktritt bekanntgegeben. „Es ist für das Land in der derzeitigen Situation besser, dass ich zurücktrete“, sagte Nasheed am Dienstag in einer Fernsehansprache. „Ich will das Land nicht mit eiserner Hand führen. Ich trete zurück.“

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In dem Urlauberparadies im Indischen Ozean gab es seit drei Wochen Proteste gegen den Präsidenten. Am Dienstag brachten meuternde Polizisten laut örtlichen Medienvertretern das Staatsfernsehen unter ihre Kontrolle. Nasheed war 2008 zum Präsidenten gewählt worden. Es war die erste freie Wahl nach 30 Jahren autoritärer Herrschaft seines Amtsvorgängers Maumoon Abdul Gayoom, der bei dieser Wahl unterlag.

Polizisten auf den Malediven

AP/Sinan Hussain

Polizisten schließen sich Protesten der Bevölkerung an

Ein Regierungssprecher in der Hauptstadt Male sagte, Vizepräsident Mohamed Waheed Hassan werde noch am Dienstag die Amtsgeschäfte übernehmen. In einer „Botschaft an das Volk“ auf seiner Homepage rief Waheed Hassan - noch in seiner Funktion als Vizepräsident - die staatlichen Institutionen dazu auf, die Verfassung zu achten. Das Büro des Präsidenten hatte mitgeteilt, die Regierung unternehme alles, um die Lage zu stabilisieren.

Vizepräsident als Nachfolger vereidigt

Waheed Hassan wurde mittlerweile als neues Staatsoberhaupt angelobt. Die Opposition forderte unterdessen die Festnahme von Nasheed, dem sie Korruption und Machtmissbrauch vorwirft. Der zurückgetretene Staatschef habe wiederholt gegen die Verfassung verstoßen, sagte Hassan Saeed, Chef der Dhivehi Quamee Party. Waheed soll das Amt des Präsidenten bis zum regulären Ende von Nasheeds Mandat im November 2013 ausüben, meldete das Staatsfernsehen. Nasheed hatte angesichts anhaltender Proteste und einer Polizeimeuterei seinen Rücktritt erklärt.

Preissteigerungen als Auslöser

In den vergangenen Monaten war es in dem Inselstaat im Indischen Ozean immer wieder zu Demonstrationen gegen die Regierung und anschließenden Festnahmen gekommen. Anlass für die Unruhen waren Preissteigerungen. Die Inselrepublik mit mehr als 300.000 Einwohnern besteht aus mehr als tausend Koralleninseln. Wirtschaftlich ist sie stark vom Tourismus abhängig. Die große Mehrheit der Bevölkerung lebt in Armut.

Demonstranten auf Male, der Hauptinsel der Malediven

AP/Sinan Hussain

Wütende Demonstranten in Male

Die jüngsten Proteste hatten sich im vergangenen Monat an der Festnahme des Vorsitzenden Richters des Strafgerichtshofs, Abdulla Mohamed, entzündet. Ihm wurden Fehlverhalten und die unzulässige Bevorzugung von Oppositionsvertretern vorgeworfen. Der Oberste Gerichtshof hatte die Freilassung von Mohamed gefordert, der aber in Militärhaft blieb.

Ministerium: Urlauber nicht betroffen

Urlauber auf den Malediven sind nach Angaben des Tourismusministeriums nicht von der innenpolitischen Krise der südasiatischen Inselkette betroffen. „Wir können versichern, dass die derzeitigen Probleme auf den Malediven keinerlei Auswirkung auf Touristen haben werden“, sagte Ministeriumssprecherin Eelaaf Zaeem am Dienstag.

Proteste der Opposition beschränken sich auf die Insel mit der Hauptstadt Male. Ausländische Urlauber sehen Male nur, wenn sie Tagesausflüge dorthin buchen. Der internationale Flughafen liegt auf einer Nachbarinsel. Von dort aus werden Touristen direkt zu ihren jeweiligen Ressorts gebracht, die abgeschieden auf jeweils eigenen Inseln liegen.

Die Malediven sind ein beliebtes Urlaubsland und werden häufig auf Hochzeitsreisen angesteuert. Der Tourismus ist der größte Wirtschaftsfaktor und macht ein Drittel der Wirtschaftsleistung des Landes aus. Das Außenministerium rät auf seiner Website aufgrund politischer Unruhen zu „erhöhter Vorsicht“ und dazu, größere Menschenansammlungen zu meiden.

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